Heinz Brand, der Bündner SVP-Nationalrat und Parteipräsident der SVP Graubünden, will Bundesrat werden. Der kantonale Parteivorstand hat den 60-Jährigen am Donnerstag offiziell zuhanden der SVP-Findungskommission als Kandidaten nominiert.

Der Migrationsexperte politisiert auf Parteilinie und gilt wegen seiner umgänglichen Art als einer der Kronfavoriten für den zweiten SVP-Sitz in der Landesregierung. Brand sei ein äusserst kompetenter Kandidat mit grossen Sachkenntnissen in vielen Politbereichen, teilte die SVP Graubünden am Donnerstag mit. Im Nationalrat gelte er als Spezialist für den Ausländer-, Asyl- und Migrationsbereich.

24 Jahre lang Chef der Bündner Fremdenpolizei

Der Prättigauer sei «auch ein ausgesprochen valabler Vertreter für die italienischsprachige Schweiz», zumal seine Frau aus dem italienischsprachigen Bündner Südtal Misox stamme und vertiefte familiäre Bindungen in die italienische Schweiz bestünden. Der Vater einer erwachsenen Tochter spreche alle drei grossen Landessprachen.

Brand leitete bis zu seiner Wahl in den Nationalrat im Jahr 2011 die Bündner Fremdenpolizei 24 Jahre lang. Vergangenen Oktober wurde er mit einem Spitzenresultat wiedergewählt. Seit 2012 führt er zudem die SVP Graubünden.

Nach der Wahl in die grosse Kammer profilierte Brand sich rasch als Migrationsexperte in einem Kernthema der SVP und erreichte nationale Beachtung. Wegen seiner «inhaltlichen Kompetenz» und der lösungsorientierten Politarbeit in Bern gilt er als mehrheitsfähig, was das Bundesratsamt anbelangt. Just in jüngerer Zeit fiel er aber mit extremen Positionen auf.

Experte im Gesundheitswesen

Neben der Migration ist das Gesundheitswesen Brands zweites Schwerpunktgebiet. Bis 2014 präsidierte er zehn Jahre lang die Flury Stiftung, welche im Prättigau unter anderem ein Spital, Altersheime und die Spitex betreibt. Seit Anfang Jahr ist er Präsident von Santésuisse, dem Branchenverband der Krankenversicherer.

Brand ist zwar im bernischen Huttwil geboren, zog aber schon als Kleinkind in den Prättigauer Ferienort Klosters um und wuchs dort auf.

Die Bundesratswahlen finden am 9. Dezember statt. Die SVP-Bundeshausfraktion nominiert ihre Kandidaten am 20. November.

Nidwalden und Zug präsentieren Kandidaten

Neben Brand steigen zwei weitere Kandidaten ins Bundesratsrennen: Aus Nidwalden tritt Bildungsdirektor Res Schmid an und die SVP Zug stellt Nationalrat Thomas Aeschi auf. Damit haben drei SVP-Kantonalparteien aus der Deutschschweiz ihre Kandidaten für den Bundesrat nominiert.

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Der erst 36-jährige Zuger Nationalrat Thomas Aeschi wäre in den Augen seiner Kantonalpartei die ideale Ergänzung zum amtierenden Bundesrat Ueli Maurer. So wäre auch die jüngere Generation gut im Bundesrat vertreten, teilte die Parteileitung am Donnerstag mit.

Präsident seit Zuger Sex-Affäre

Aeschi sitzt seit 2011 für die SVP im Nationalrat. Er ist Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben und Mitglied der Efta/EU-Delegation. Beruflich arbeitet er als Berater für eine internationale Beratungsfirma.

Präsident der Zuger SVP ist er seit der Zuger Sex-Affäre um Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin. Aeschi hatte seit März 2015 nicht zuletzt die Aufgabe, die Wogen innerhalb seiner Partei zu glätten.

Auch Nidwaldner SVP mit Bundesratskandidatur

Der 57-jährige Res Schmid aus Nidwalden politisiert wie der Bündner Brand auf der Parteilinie. Im Ton ist der gebürtige Berner ebenfalls konziliant. National ist der frühere Militärtestpilot hingegen wenig bekannt. Schmid wäre der erste Bundesrat aus Nidwalden.

Schmid ist seit 2010 Nidwaldner Regierungsrat und steht der Bildungsdirektion vor. National ins Rampenlicht trat er im Sprachenstreit. Er plädierte dafür, den Französischunterricht von der Primar- auf die Sekundarstufe zu verschieben und dort zu intensivieren.

Konkurrenz lauert

Schmid, Aeschi und Brand haben SVP-intern bereits einige Konkurrenten. In der Deutschschweiz wurden auch der Berner Nationalrat Albert Rösti sowie die beiden Schaffhauser SVP-Politiker Thomas Hurter (Nationalrat) und Hannes Germann (Ständerat) nominiert.

Die Romandie schickt den Waadtländer Nationalrat Guy Parmelin ins Rennen, sowie den Walliser Staatsrat Oskar Freysinger. Die Tessiner SVP nominierte den Lega-Staatsratspräsidenten Norman Gobbi. Ebenfalls Interesse signalisierte der Baselbieter SVP-Nationalrat Thomas die Courten.

(sda/dbe/ama)