Zwei Angestellte der irakischen Uno-Botschaft in Genf sind wegen Tabakschmuggels mit Bussen von 170'000 respektive 120'000 Franken bestraft worden. Die Eidgenössische Zollverwaltung bestätigte einen Bericht der «Sonntagszeitung» vom Vortag.

Weil Schmuggelfälle nach sieben Jahren verjähren, konnte fast ein Drittel der Vergehen nicht mehr geahndet werden. Ein Gesuch um Reduktion der Busse eines von der irakischen Botschaft inzwischen entlassenen Diplomatenchauffeurs hat die Oberzolldirektion abgelehnt.

Privilegien missbraucht

Die beiden Botschaftsangestellten hatten Privilegien von Diplomaten missbraucht und während mindestens drei Jahren illegal Zollfrei-Zigaretten bezogen. Gegen 600'000 Zigarettenpackungen sollen dann auf dem Schwarzmarkt im Nordwesten Frankreichs abgesetzt worden sein.

Der Deliktsbetrag für die hinterzogene Tabaksteuer und nicht geleistete Zollabgaben belief sich gemäss Zollverwaltung auf 2,4 Millionen Franken. Die Zigaretten hatten die beiden Schwarzhändler bei einer Firma in Norddeutschland bestellt, welche auf Dutyfree-Lieferungen an Diplomaten, Botschaften und internationale Organisationen spezialisiert ist.

Hongkong als Whistleblower

Die beiden Botschaftsangestellten liessen sich gemäss dem Zeitungsbericht den unversteuerten Tabak nicht nur im Namen der irakischen Mission, sondern auch für Hongkong, das Königreich Bahrain, Saudiarabien und Oman liefern. Ins Rollen kamen die Ermittlungen denn auch, nachdem die Handelskammer Hongkong bei den Schweizer Zollbehörden meldete, dass Unbekannte in ihrem Namen Zigaretten bestellt hätten.

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Die zum Vorzugspreis bezogene Ware liessen sich die Verurteilten an die Adresse eines Westschweizer Spediteurs senden. Von dort brachten sie die Ware in einen wenige hundert Meter vom Genfer Flughafen entfernt auf französischem Staatsgebiet gelegenen Lagerraum, den sie gemietet hatten. Helfer brachten die Zigaretten dann in den Nordwesten Frankreichs, wo sie im Strassenhandel verkauft wurden.

(sda/ise/chb)