Der Bund hat nichts am neuen Messsystem für die Erhebung der TV-Nutzungsdaten auszusetzen. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) sieht kein Hindernis, die derzeit blockierten Nutzungsdaten zu publizieren.

In seinem Aufsichtsentscheid vom Donnerstag hält das Uvek fest, dass die Datenerhebung die gesetzlichen Grundanforderungen bezüglich Wissenschaftlichkeit einhalte. Das von mehreren TV-Sendern kritisierte System sei gesetzeskonform.

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Zu diesem Schluss kommt das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard unter anderem aufgrund der zwei Gutachten, welche die Stiftung Mediapulse in Auftrag gegeben hatte, sowie eines Gutachtens des TV-Senders 3+. Dieser führt den Widerstand gegen die Messresultate an, weil er seine Marktposition aufgrund der neuen Daten verschlechtert sieht.

Untersucht wurde in den Gutachten, ob das Messverfahren internationalen Standards entspricht und zuverlässig ist und ob es Schätzungen für Lokalfernsehsender erlaubt. Laut Uvek bejahen die Berichte dies. Das neue Fernseh-Panel der Firma Kantar Media liefere «insgesamt verlässliche Nutzungsdaten».

Verpflichtung zu Anpassungen

Die Gutachten enthalten allerdings auch Empfehlungen für punktuelle Verbesserungen, welche Mediapulse in einem Massnahmenplan zusammen mit Anregungen aus der Branche umsetzen will. Dass Anpassungen im Bereich der Feinjustierung geplant sind, begrüsst auch das Uvek. Es verpflichtet den Mediapulse-Verwaltungsrat, das Uvek monatlich über die Umsetzung zu informieren.

Trotz Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aber für das Uvek keinen Grund, die Daten zurückzuhalten. «Aus Sicht des Uvek sollten die mit dem neuen System erhobenen Daten deshalb weitergegeben, publiziert und dem Markt zur Verfügung gestellt werden können», heisst es im Entscheid.

Mediapulse zufrieden

Blockiert bleiben die Daten dennoch, da die superprovisorische Verfügung des Obergerichts Nidwalden vom 23. April gegen die Veröffentlichung weiterhin gültig bleibt, wie Mediapulse-Mediensprecher Nico Gurtner auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bestätigte. Sender und Vermarkter erhalten zwar Daten, dürfen sie aber nicht veröffentlichen.

Mediapulse sehe sich umfassend bestätigt, sagte Gurtner. «Unser bisheriges Vorgehen wird von der Aufsichtsbehörde vollumfänglich unterstützt.» Er rechnet damit, dass der Entscheid auch im Gerichtsverfahren, das zur Blockade der Nutzungsdaten führte, berücksichtigt werden dürfte.

Qualitätskontrolle durch Kommission

Die Qualität der Daten prüfte das Uvek nicht. Dafür zählt es auf die Arbeit der Medienwissenschaftlichen Kommission (MWK), welche Mediapulse zur Qualitätssicherung einsetzen muss. Das mit drei bis fünf Medienwissenschaftlern bestückte Gremium wird bis Ende 2013 das neue Messsystem auswerten.

Deutlich hält das Uvek fest, dass die neuen Daten wegen der Unterschiede der Panels nicht mit den alten verglichen werden könnten. Da das alte System den Markt nicht mehr korrekt abzubilden vermochte, sei es normal, dass es es nun Abweichungen gebe. Das sei aber kein Grund, «an der Qualität der neuen Daten zu zweifeln».

Aktiv geworden ist das Uvek als Aufsichtsbehörde aus eigenem Antrieb wegen der harschen Kritik am neuen Erhebungssystem. Zehn Regionalfernsehsender kündigten ihre Verträge mit Mediapulse. Die TV-Quoten sind die Währung im Werbemarkt, nach der sich die Preise für Werbespots richten. Die Branche befindet sich ohne die Daten quasi im Blindflug.

Zu einem Wechsel des Erhebungssystems kam es Ende 2012, weil das seit 1985 genutzte System von Telecontrol neuen TV-Nutzungsformen nicht mehr Rechnung tragen konnte. Das neue System berücksichtigt auch Fernsehzuschauer, die Sendungen nicht nur am TV, sondern auch am Computer schauen. Tablets oder Smartphones erfasst es aber nicht. Das neue Panel enthält zudem Haushalte ohne festen Telefonanschluss.

(tke/jev/sda/awp)