Viele medizinische Hilfsmittel wie Krücken oder Bandagen sind in der Schweiz deutlich überteuert. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht nun über die Bücher. Es will die Liste der von den Krankenkassen bezahlten Hilfsmittel bis Ende 2017 überholen.

Das sagte BAG-Sprecher Daniel Bach am Dienstagabend in der Sendung «Kassensturz» von Schweizer Fernsehen SRF. Die zu vergütenden Preise für gewisse Produktegruppen seien bereits angepasst worden, die ganze sogenannte Mittel- und Gegenstände-Liste aber sei nie im Detail angeschaut worden.

Grosses Sparpotenzial

Bei der Überarbeitung der Liste schaue das BAG sämtliche Posten genau an. Das Bundesamt schätzt das Sparpotenzial dieser Massnahme auf zehn bis zwanzig Millionen Franken. Der Krankenkassenverband Santésuisse rechnet gar mit 100 Millionen.

Die Liste legt fest, welche Beträge die Krankenkassen zulasten der Grundversicherung für die Hilfsmittel maximal vergüten müssen. Der Preisüberwacher nahm die Liste auch schon unter die Lupe und monierte höhere Preise in der Schweiz als im Ausland. Zudem seien die Höchstvergütungsbeträge oft viel zu hoch, sie sicherten den Lieferanten einen Preisaufschlag auf Kosten der Versicherten.

Erste Korrekturen schon 2016

Die Sendung «Kassensturz» listete einige krasse Beispiele auf. So kosten 40 Vlieskompressen in der Apotheke ohne Rezept 24 Franken. In demselben Geschäft kosten sie aber maximal 194 Franken, wenn sie auf Rezept und damit von der Krankenkasse vergütet, gekauft werden.

Der Höchstvergütungbetrag in der Liste lässt das zu: Eine Vlieskompresse darf nämlich 9,70 Franken kosten. Bach bezeichnete diesen absurd hohen Preis in der Sendung als Versehen, das bis Ende Jahr korrigiert werde. Der Preis stamme aus dem Jahr 1997.

Teure Fussbandagen

Ein weiteres «Kassensturz»-Beispiel betrifft Fussbandagen. Ohne Rezept kosten sie rund 20 Franken. Die Liste für die Krankenkassenvergütung lässt maximal 126 Franken zu. 100 Einweg-Spritzkanülen gibt es im Geschäft für 17,10 Franken. Die Krankenkassen müssen bis zu 45 Franken berappen. Und Krücken kosten ohne Kassenbeteiligung 24 und mit 81 Franken.

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(sda/mbü)