1300 Unternehmerinnen und Unternehmer, Politiker und Wissenschafter sind nach Interlaken ans Swiss Economic Forum (SEF) gereist. Bundesrat Alain Berset pries das politische System der Schweiz. Die Mühlen mahlten zwar langsam, die Ergebnisse seien aber reflektiert und nachhaltig.

Zackige Entscheidungswege in autoritären oder kapitalistischen Systemen seien oft zu kurzsichtig, sagte Berset in seiner Rede zum Auftakt des zweitägigen Forums. Das «Uhrwerk Schweiz» funktioniere bestens, gerade weil es kompliziert sei. 

Es gebe zwar auf jede schwierige Frage eine einfache, aber falsche Antwort. Die Schweiz sei das Land, das auf komplexe Fragen komplexe Antworten finde, erklärte der Innenminister mit Blick auf das diesjährige SEF-Motto «Antworten auf brennende Fragen». Die Wirtschaft dürfe Überschwang nicht mit Dynamik verwechseln und solle sich auf bewährte Werte wie Solidität, Berechenbarkeit und Langfristigkeit besinnen. Die Schweizer Politik sei nicht von Nervosität geprägt - «normalerweise», schob Berset nach und erntete für seine Anspielung auf das US-Spezialgesetz Lacher und Applaus. 

Schweiz ist nicht «kaputt»

Patrick De Maeseneire, Chef des weltgrössten Stellenvermittlers Adecco, hielt in seiner Rede fest, nicht die Schweiz sei «kaputt», sie müsse nicht repariert werden. Andere Länder, die Druck auf die Schweiz ausüben, seien in der Krise, nicht die Schweiz. Nach Ansicht von Berset haben nur jene Länder Erfolg, die wirtschaftliche Dynamik und sozialen Ausgleich kombinieren können. Dieser Ausgleich habe die Schweiz stark gemacht, sei aber gefährdet, sagte der SP-Politiker.

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Die Sozialsysteme müssten so reformiert werden, damit sie nachhaltig finanzierbar bleiben, hielt Berset unter Verweis auf die bundesrätliche Strategie zur Reform der Altersvorsorge fest. In einer Abstimmung votierten die SEF-Teilnehmer für die Erhöhung des AHV-Alters der Frauen auf 65 Jahre und für Anreize zur Arbeitstätigkeit über 65 Jahren. Die Erhöhung des minimalen Frühpensionsierungsalters 58 verfehlte dagegen knapp eine Mehrheit, ebenso die Senkung des Umwandlungssatzes.

Feste Grösse

Das SEF findet zum 15. Mal statt, es gilt als wichtigstes Treffen der Schweizer Wirtschaftselite mit Politikern und Wissenschaftern. Zu den illustren Referenten gehören neben US-Starökonom Nouriel Roubini dann am Freitag Larry Fink, Chef des weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock, und der frühere griechische Premier Giorgos Papandreou.

Aber auch Entscheidungsträger von mittelgrossen Schweizer Unternehmen erhalten die grosse Plattform: unter anderen Daniela Spavetti vom Seeländer Gemüsehändler Spavetti und Carole Hübscher vom Genfer Schreibgeräte-Hersteller Caran d'Ache.

Wichtig ist den SEF-Teilnehmern aber auch der persönliche Kontakt. So unterhalten sie sich auf den Gängen über den Umgang mit dem anhaltenden Margendruck wegen der Frankenstärke, über Probleme bei der Expansion in Wachstumsmärkte oder bei der Ausrichtung auf neue Technologien. 98 Prozent der Teilnehmer kommen aus der Schweiz, je ein Drittel aus kleinen, mittleren und grossen Unternehmen.

(muv/rcv/sda)