Bundesratssprecher André Simonazzi widerspricht Christoph Blocher: Der SVP-Vizepräsident habe der damaligen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey im Dezember ein Dokument gezeigt - mit Angaben zu Transaktionen von SNB-Präsident Philipp Hildebrand. Simonazzi bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von «NZZ Online».

Blocher hatte am Donnerstagabend in der Sendung «Talk Täglich» auf dem Privatsender Tele Züri gesagt: «Ich habe keinerlei Unterlagen von einer Bank oder von Bankkonti.» Der Bundespräsidentin habe er deshalb auch gesagt, er wisse nicht, ob die Vorwürfe zuträfen.

Am Freitagnachmittag antwortete Blocher an einer Medienorientierung in Rorschach SG auf die Frage von Journalisten, er sage nicht, wie er den Bundesrat genau über die Geschäfte von Hildebrand informiert habe. «Ich habe bei den drei Treffen mit der Kontrollbehörde weder Originaldokumente gezeigt noch solche übergeben, weil ich keine solchen Dokumente hatte.»

Doch um ein Originaldokument scheint es sich auch gar nicht zu handeln: «Ich bestätige, dass Herr Blocher Bundespräsidentin Calmy-Rey ein Dokument zeigte», teilte Simonazzi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit: Das Dokument sei «eine Kopie von schlechter Qualität» gewesen. Es habe einen Bankauszug einer nicht identifizierten Bank gezeigt und auf den Namen von Philipp Hildebrand gelautet.

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Spezialist der Bundeskriminalpolizei anwesend

Bei dem Treffen mit der Bundespräsidentin waren laut dem Bundesratssprecher vier Personen der Bundesverwaltung anwesend, darunter ein Vertreter der Bundeskriminalpolizei, der eigens für die Überprüfung des Dokuments beigezogen wurde.

«Der Spezialist der Bundeskriminalpolizei stellte fest, dass die im Dokument enthaltenen Informationen plausibel seien», schreibt Simonazzi. Der Experte konnte aber die Echtheit des Dokuments nicht bestätigen. Das Dokument habe «präzise Angaben zu verschiedenen Banktransaktionen» enthalten.

Christoph Blocher bleibt derweil bei seiner Position: «Ich war in der Sache Hildebrand nur der Briefträger.» Ob der Chef der Schweizerischen Nationalbank gelogen habe, wisse er nicht. Klar ist für Blocher: «Hildebrand muss zurücktreten.»

Blocher: «Hildebrand ist ein Spekulant»

Der Chef der Notenbank habe bei der Medienkonferenz vom Donnerstag soviel zugegeben, wie man ihm beweisen könne. Ob Hildebrand lüge, spiele gar keine Rolle, sagte der Blocher. «Hildebrand ist ein Spekulant und nicht mehr tragbar.»

Weiter sagte Blocher, er wisse, dass es mehrere Informanten gebe und dass es um mehrere Banken gehe. «Die Informanten kenne ich aber nicht.»

(tno/laf/sda/awp)