In den nächsten drei Jahren will der Bundesrat 240 Millionen Franken einsparen. Möglich machen dies Massnahmen bei den Generika und die Wiedereinführung von regelmässigen Preiskontrollen.

Der Bundesrat hat die entsprechende Verordnung auf den 1. März in Kraft gesetzt. Damit kann die dreijährliche Überprüfung der Preise für kassenpflichtige Medikamente bereits dieses Jahr wieder aufgenommen werden.

Wiederkehrende Einsparungen

Der Bundesrat hatte die Überprüfungen aufgrund eines Bundesgerichtsentscheid von Ende 2015 ausgesetzt. Das Gericht hatte bemängelt, dass bei der Berechnung nur die Auslandpreise berücksichtigt wurden. Neu wird der Auslandpreisvergleich und der sogenannte therapeutische Quervergleich je zur Hälfte gewichtet. Bei Letzterem wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu anderen Arzneimitteln mit ähnlicher Wirkung berücksichtigt.

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Mit der Wiederaufnahme der Preisprüfungen erhofft sich der Bundesrat in den nächsten drei Jahren Einsparungen von rund 180 Millionen Franken. Und das System soll auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden. «Es handelt sich also um wiederkehrende Einsparungen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset vor den Medien in Bern.

Konkret wird jedes Jahr ein Drittel der rund 2500 kassenpflichtigen Medikamente einer Prüfung unterzogen. Die Forderung des Preisüberwachers, jedes Jahr sämtliche Medikamente zu prüfen, weist der Bundesrat zurück. Der dadurch entstehende Mehraufwand sei nicht zu bewältigen, zeigte sich Berset überzeugt.

Massnahmen gegen hohe Generikapreise

Die zweite Änderung betrifft die Preisfestsetzung für Generika. Diese seien im Schnitt in der Schweiz immer noch doppelt so teuer wie im Ausland, das sei nicht akzeptierbar, sagte Berset.

Bei Generika gilt: Je höher der Umsatz des Originalpräparats ist, desto grösser muss der Preisabstand für die Generika sein. Mit der neuen Bestimmung wird der Preisabstand markanter. Zudem werden die Kriterien des differenzierten Selbstbehalts verfeinert. Die Kostenbeteiligung der Versicherten wird so angepasst, dass der Bezug von Generika attraktiver wird. Wer ein teureres Medikament bezieht, wird künftig also schneller zur Kasse gebeten.

Dank dieser Anpassungen können in den nächsten drei Jahren im Bereich Generika rund 60 Millionen Franken eingespart werden, schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgrund von Angaben der Pharmabranche.

Erst in Planung ist eine weitere Änderung bei den Generika, die Einführung eines Referenzpreissystems. Das BAG könnte damit einen Höchstpreis festsetzen, den die Krankenkasse für einen bestimmten Wirkstoff bezahlt. Eine entsprechende Gesetzesänderung soll im Laufe des Jahres in die Vernehmlassung gegeben werden.

Rascher Entscheid bei Vergütung

Zwar keine Einsparungen, dafür eine bessere Situation für die Patienten verspricht sich der Bundesrat von einer weiteren neuen Bestimmung. Diese betrifft Medikamente, die eigentlich nicht zugelassen sind, nicht zur Behandlung einer Krankheit vorgesehen sind oder nicht kassenpflichtig sind.

In Einzelfällen kann der Arzt dennoch ein Gesuch um Kostengutsprache bei der Krankenkasse einreichen, etwa wenn keine andere wirksame, zugelassene Therapie zur Verfügung steht. Die Kassen müssen neu innerhalb von zwei Wochen entscheiden. Damit werde das Verfahren zum Wohl der betroffenen Patienten beschleunigt, zeigt sich der Bundesrat überzeugt.

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Wie bisher bestimmt die Krankenkasse, zu welchem Preis dieses Medikament vergütet wird. Der Preis muss aber unter jenem auf der Spezialitätenliste liegen, die alle kassenpflichtigen Medikamente umfasst. Bei importierten Medikamenten wird der effektive Preis vergütet. Die Pharmaunternehmen sollen neu bei der Preisfestsetzung mitwirken.

Neue Medikamente erhöhen Erlös im Schweizer Medikamentenmarkt

Der Medikamentenmarkt in der Schweiz ist im letzten Jahr 4,7 Prozent auf rund 5,6 Milliarden Franken gewachsen. Der Zuwachs ist vor allem auf neue Krebsmedikamente und Präparate für Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose zurückzuführen.

Der Markt der kassenpflichtigen Medikamente - also derjenigen Präparate, die von der Grundversicherung vergütet werden - wuchs dabei im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf rund 4,69 Milliarden Franken. Dies geht aus einer Erhebung des amerikanischen Forschungsinstituts QuintilesIMS bei Pharmaunternehmen, Grossisten, Ärztelieferanten und Apotheken hervor.

Mengenmässig blieben die Medikamentenverkäufe mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent auf insgesamt 187,5 Millionen verkaufte Packungen in etwa auf Vorjahresniveau, wie Interpharma, der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, am Freitag mitteilte.

Der Bund hatte im letzten Jahr wegen Verordnungsänderungen keine Preissenkungen verfügt. Preissenkungen aus den Vorjahren haben das Umsatzergebnis aber um 1,0 Prozent geschmälert. Diese Preissenkungen wurden aber von der Einführung von neuen, innovativen Medikamenten sowie vor allem durch tendenziell teurere Präparaten, die vor 2016 auf den Markt kamen, kompensiert, schreibt der Fachverband.

Neue Krebsmedikamente

Während 2015 das Marktwachstum in erster Linie auf neue Medikamente gegen Hepatitis C zurückzuführen war, lag der Anstieg im letzten Jahr hauptsächlich auf neuen Krebstherapien (+15,7 Prozent).

Ebenfalls gestiegen sind die Umsätze bei Präparaten gegen Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (+10,3 Prozent). Rückläufig entwickelte sich allerdings die Gruppe der antiviralen Mittel (insbesondere Medikamente gegen Hepatitis C), deren Marktvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent abgenommen hat.

Wachsender Generikamarkt

Der gesamte generikafähige Markt, bestehend aus Generika, patentabgelaufenen Originalpräparaten und patentabgelaufenen Medikamenten, von denen es aber keine Generika gibt, setzte ebenfalls mehr um. Der Erlös belief sich auf rund 1,85 Milliarden Franken um (+4,8 Prozent).

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Er machte damit knapp 40 Prozent des gesamten kassenpflichtigen Markts aus, während der Marktanteil der patentgeschützten Medikamente bei gut 50 Prozent lag. Letztere verzeichneten gegenüber 2015 ein Wachstum von 6,6 Prozent.

Bei den Generikas wuchs der Umsatz um rund 5,7 Prozent auf 666,4 Millionen Franken. Bei den patentabgelaufenen Originalpräparaten mit einem Marktvolumen von 707,1 Millionen Franken betrug das Wachstum 11,5 Prozent.

Preissenkungen zu erwarten

Wegen eines Bundesgerichtsentscheids und der daraus geforderten Verordnungsänderungen bei der periodischen Preisüberprüfung senkte der Bund die Medikamentenpreise im vergangenen Jahr nicht. So muss der Bund künftig auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zu anderen Arzneimitteln mit ähnlicher Wirkung berücksichtigen und darf sich nicht nur auf Auslandspreise beziehen.

Ab diesem Jahr können die Patienten aber wieder mit Preissenkungen rechnen. Die Gruppe der Krebsmedikamenten werde im kommenden Herbst die erste sein, deren Preise überprüft werden, lässt sich Interpharma-Geschäftsführer ad interim, Heiner Sandmeier, zitieren.

(sda/chb)