Nach jahrzehntelanger Debatte hat der Bundestag am Freitag die Gleichstellung homosexueller Paare bei der Ehe beschlossen. Für die Gesetzesvorlage stimmten nach Worten von Parlamentspräsident Norbert Lammert 393 Abgeordnete bei 226 Gegenstimmen und vier Enthaltungen.

SPD, Linke und Grüne hatten am Morgen in einer ersten Abstimmung des Parlaments durchgesetzt, dass die «Ehe für alle» auf die Tagesordnung genommen wird. Damit setzten sich die Sozialdemokraten erstmals in dieser Wahlperiode bei einem Bundestagsvotum über den Widerstand ihres Koalitionspartners Union hinweg. Deren Abgeordnete stimmten gegen eine Änderung der Tagesordnung. Bei der späteren namentlichen Abstimmung über die Gesetzesvorlage gilt eine Mehrheit als sicher.

Zur Gewissensfrage erklärt

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte am Montagabend überraschend die «Ehe für alle» zur Gewissensfrage erklärt und damit für die Unions-Abgeordneten den üblichen Fraktionszwang aufgehoben. Die SPD sah darin eine Gelegenheit, mit Hilfe von Grünen und Linken ein aus ihrer Sicht von der Union lange blockiertes Vorhaben am letzten Tag vor der Sommerpause doch noch durch den Bundestag zu bringen.

(reuters/cfr/gku)