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Abstimmung
«Business Insider» zerpflückt Gold-Initiative

Werbung für die Gold-Initiative: Spiel mit dem Feuer.  Keystone

Schweizer Abstimmungen interessieren in Übersee meist wenig. Doch nun haben amerikanische Medien die Gold-Initiative entdeckt. «Business Insider» lässt kein gutes Haar am «verrückten Referendum».

Von Gabriel Knupfer
am 31.10.2014

«Ein verrücktes Referendum in der Schweiz könnte den weltweiten Goldmarkt auf den Kopf stellen», titelt ein Artikel des amerikanischen Wirtschaftsportals «Business Insider». Gemeint ist die Gold-Initiative der SVP-Politiker Lukas Reimann, Luzi Stamm und Ulrich Schlüer. Das «bizarre Vorhaben» einer Schweizer Partei würde die Risiken während einer Finanzkrise dramatisch erhöhen, befürchtet der Journalist Mike Bird.

Die Initiative will die Nationalbank (SNB) zwingen, in den nächsten Jahren tausende Tonnen Gold zu kaufen um den geforderten Anteil von 20 Prozent an den Aktiven zu erreichen. Trotz fallendem Goldpreis halte die SVP den Vorschlag offenbar für eine gute Idee. Dass sie einen dramatischen Einfluss auf den Goldpreis hätte und womöglich auch weitere Märkte durcheinander bringen würde, sei der Partei offensichtlich egal, schreibt das Magazin.

Unterstützung für Goldspekulanten

Ein Ja zur Gold-Initiative hätte nicht nur kaum abschätzbare Folgen für die Mindestkurs-Politik der Nationalbank, sondern würde auch dazu führen, dass die SNB bei einem fallenden Goldpreis intervenieren und weiteres Gold zukaufen müsste. «Es ist recht lustig, dass die Initiative eine Art ‹quantitative easing› für Gold mit sich bringen würde», schreibt «Business Insider». Denn die Schweiz würde künftig de facto den Goldpreis gegen unten absichern müssen.

Schon vor dem «Business Insider» hatte das «Wall Street Journal» die Vorlage thematisiert. Auch die amerikanische Tageszeitung liess kein gutes Haar an der Initiative. Der Einkaufsmechanismus bei der Nationalbank würde Gold zum Magneten für Spekulanten machen, heisst es im Blatt. Denn statt wie bisher den Euro würde die Nationalbank den Goldpreis stützen müssen. «Ein Geschenk an die Märkte», befindet ein Société-Générale-Analyst im Artikel.

Negativzins der SNB

Dank der Mindestkurspolitik habe die SNB den Franken lange Zeit aus dem Fokus von Spekulanten gehalten. Nach Annahme der Gold-Initiative sei der weitere Zukauf von Euro aber kaum mehr praktikabel, weshalb die Nationalbank den Franken dann mittels Negativzinsen runterdrücken müsste, schreibt das «Wall Street Journal».

 

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