Dem im Frühjahr 2010 verhafteten und von Finanzdirektorin Ursula Gut fristlos entlassenen BVK-Anlagechef werden mehrfache ungetreue Amtsführung, gewerbsmässige Geldwäscherei und Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen. Zudem habe er sich mehrfach bestechen lassen, heisst es in der Anklageschrift.

Der Deliktsbetrag beläuft sich gemäss Staatsanwaltschaft auf 1,7 Millionen Franken. Ausserdem soll der Angeklagte durch falsche Anlageentscheide der BVK Schaden von über 40 Millionen Franken zugefügt haben.

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Das Bestechungssystem funktionierte während 15 Jahren und lief gemäss Anklage immer nach dem gleichen Muster ab. Ein Bekannter gründete eine Firma, der Anlagechef sorgte dafür - zum Teil eigenmächtig -, dass sich die BVK grosszügig beteiligte oder lukrative Mandate an die Kollegen vergab.

Als Gegenleistung machte der BVK-Chef den Geschäftspartnern klar, dass die Deals auch für ihn persönlich etwas abwerfen müssten, wenn sie mit der BVK weiter zusammenarbeiten wollten. Auf diese Weise soll er zwischen 2000 und 2010 von fünf BVK-Geschäftspartnern wiederholt Bargeld und andere finanzielle Vorteile angenommen haben oder sich versprechen lassen.

Geldübergaben auf Parkplätzen

Den höchsten Betrag, insgesamt 863'000 Franken, kassierte der Anlagechef gemäss Anklageschrift zwischen Ende Januar 2005 und Mai 2010 von einem langjährigen Freund, den er im Militär kennengelernt hatte. Die Geldübergaben erfolgten meist beim Essen in Nobelrestaurants oder auf einem Parkplatz.

Das Geld versteckte der Anlagechef auf Schwarzgeldkonten, die er mit Hilfe eines andern Freundes einrichtete. Dessen Argus Finanz AG hatte er Vermögensverwaltungsmandate zugeschanzt und dabei eigenmächtig auf die Rückerstattung von Provisionszahlungen - so genannte Retrozessionen - verzichtet. Der BVK gingen so 2,3 Millionen Franken verloren.

Dass die unlauteren Geschäfte über Jahre unentdeckt blieben, war auf das hohe Ansehen des Anlagechefs zurückzuführen. Laut Anklage war er für seine Vorgesetzten ein vertrauenswürdiger und in der sehr knapp besetzten Vermögensverwaltung ein nur schwer ersetzbarer Fachexperte.

Anklage im verkürzten Verfahren

Auf der Anklagebank sitzt am Mittwoch noch nicht der ehemalige Anlageberater, sondern der Mitbegründer und Geschäftsführer der Firma DL Investment Partners (DLIP). Diese hatte den Auftrag, für die BVK geeignete Investitionsmöglichkeiten im Bereich von «alternativen Anlagen» zu finden.

Mit Investitionen in so genannte Hedgefonds erzielte die DLIP innerhalb von vier Jahren Provisionen von rund 10 Millionen Franken. Daneben kassierte der Geschäftsführer jedoch illegal weitere 2,99 Millionen Franken an Retrozessionen und Gewinnbeteiligungen, die er der BVK hätte weiterleiten müssen.

Lange Zeit leugnete er, diese Zahlungen bekommen zu haben. Erst nach rund 15 Monaten Untersuchungshaft legte er ein Geständnis ab. Mit der Staatsanwaltschaft traf er daraufhin eine Vereinbarung. So soll er der BVK 3,95 Millionen Franken überweisen und 82'000 Franken Prozesskosten übernehmen.

Gleichzeitig stellt die Staatsanwaltschaft den Antrag, den Angeklagten zu 20 Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen, die Hälfte davon bedingt. Der Deal ermöglicht ein verkürztes Verfahren. Geht das Gericht darauf ein, wird das Urteil rechtskräftig.

Fortgesetzt wird der Korruptionsprozess am 11. bis 13. Juli. Dann sitzen der Hauptangeklagte und drei seiner früheren Geschäftsfreunde auf der Anklagebank, die sich wegen Bestechung verantworten müssen.

Unabhängig von der strafrechtlichen und administrativen Untersuchung hatte der Kantonsrat zur politischen Aufarbeitung der Affäre eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt. Deren Bericht steht noch aus.

(chb/sda)