Dreizehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September ist in New York das neue World Trade Center eröffnet worden. Mit dem Verlag Condé Nast ist der erste Mieter in den Mega-Bau eingezogen, der exakt 1776 Fuss gross ist – zugleich die Jahreszahl der Unabhängigkeitserklärung.

Unter dem Prestigebau wird jedoch noch immer auf Hochtouren gebaut. Im kommenden Jahr soll der unterirdische Bahnhof «World Trade Center» in Betrieb genommen werden. Doch das Bauprojekt ist jetzt schon ein finanzielles Desaster. Es dürfte am Ende mehr kosten als der 3,9 Milliarden teure Wolkenkratzer.

Bahnhof Stadelhofen und Uni-Bibliothek in Zürich

New York will nicht nur in der Höhe punkten, sondern auch mit den Architekten protzen. Entworfen hat der Bahnhof der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava. Seine modernen und extravaganten Bauten stehen auf dem ganzen Globus – auch in der Schweiz. So baute er in Zürich den Bahnhof Stadelhofen und die juristische Fakultätsbibliothek der Universität Zürich. In den 70er-Jahren studierte Calatrava Bauingenieurwesen an der ETH Zürich.

So elegant seine Entwürfe auch sind, Kritiker werfen ihm immer wieder globale Massenware vor, schreibt das «Managermagazin». Er baue oft ohne Rücksicht auf praktische Aspekte und vor allem ohne Rücksicht auf die Kosten. Calatravas Budgetüberschreitungen sind sogar auf dem Blog «The Full Calatrava» zusammengefasst.

Budget massiv überschritten

Auch beim neuen Bahnhof in Lower Manhattan trägt Calatrava dick auf. So lässt sich etwa die säulenlose Eingangshalle mit einem Dach wie ein Vogelflügel öffnen. Solche Spielereinen und Extras trieben die Kosten in die Höhe. Ursprünglich setzte man die diese bei zwei Milliarden Dollar fest.

Es sei ein Zeugnis der amerikanischen Ohnmacht und ein Versagen, das daran erinnert, dass das hier versenkte Geld an anderen Stellen der teils maroden US-Infrastruktur fehlt, schreibt das «Manager Magazin». Mittlerweile scheinen auch die Verantwortlichen einsichtig geworden sein. «Heute würden wir die Prioritäten anders setzen», sagt einer gegenüber der «New York Times».

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Eisiger Gegenwind für Calatrava

Für Calatrava könnte der Bahnhof am Ground Zero zu einem weiteren Mahnmal für seine überschwänglichen Pläne werden. Es ist nicht das erste mal, dass der Spanier am Pranger steht. Calatravas Heimat Valencia etwa verklagte ihn wegen Baumängeln und überzogenen Budgets. Ein Gericht in Oviedo hat ihn zu einer Busse in der Höhe von rund drei Millionen Euro verdonnert. Grund: Baumängel beim Kongresspalast in der nordspanischen Stadt.

Für die exorbitanten Kosten beim Bahnhof in Manhattan ist Calatrava aber nicht alleine verantwortlich. Politische Entscheide verkomplizierten das Bauprojekt und trieben die Rechnung in die Höhe. Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg verlangte etwa, dass der Wolkenkratzer zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge fertig ist. Der Bahnhof musste als quasi umgekehrt gebaut werden: Erst das Dach, dann den Rest, schreibt das «Managermagazin». Ausserdem musste um eine bestehende U-Bahn-Linie gebaut werden, um deren Betrieb nicht zu unterbrechen. Das Prozedere verschlang 355 Millionen Dollar an Zusatzkosten.

(dbe)