Kaum hatte sich François Hollande gegen Nicolas Sarkozy im französischen Präsidentschaftswahlkampf durchgesetzt, so hat sich der Ton gegenüber den wohlhabenden Franzosen im Lande dramatisch verschärft. Jetzt hat die Debatte um die Besteuerung der Reichen in Frankreich einen neuen Tiefpunkt erreicht. So titelt die linksliberale Tageszeitung «Libération» in ihrer gestrigen Ausgabe «Verpiss Dich, du reicher Idiot!». Die Provokation richtete sich gegen Bernard Arnault. 

Hintergrund der Attacke: Der Chef des Luxuskonzerns Louis Vuitton Moët & Hennessy möchte sich um die belgische Staatsbürgerschaft bemühen. Obwohl Arnault persönliche Gründe für seine Pläne geltend macht, unterstellen viele Franzosen dem Milliardär, aufgrund der Steuererhöhungen gegen Reiche dem Heimatland den Rücken zu kehren - und diese Empörung scheint die «Libération» jetzt aufzugreifen. 

Darüber hinaus scheint sich das Blatt die Frage nach der objektiven Berichterstattung nicht zu stellen - im Gegenteil: Wie ein Bericht in der aktuellen Ausgabe zeigt, wurde das Cover von mehreren Instanzen bis hin zum Chefredaktor abgesegnet. 

Arnault verklagt «Libération»

Damit aber nicht genug: In einem Kommentar schiesst die Redaktion weiter gegen Arnault. «Wie konnte der reichste Mann in Frankreich ignorieren, dass seine plötzliche Liebe für Belgien eine grosse Kontroverse auslösen würde?» 

Bernard Arnault will sich diese Provokation derweil nicht bieten lassen. In einer Presseerklärung liess er ausrichten, dass er Klage wegen öffentlicher Beleidigung gegen das Blatt einreichen werde. «Bernard Arnault hat keine andere Wahl, als angesichts des vulgären und brutalen Titels die Zeitung vor Gericht zu zitieren». Ausserdem stellt der Unternehmer klar, dass er stets gearbeitet und Steuern bezahlt habe. «Er hat mehr als 20'000 Arbeitsstellen geschaffen und das französische Know how und die französische Kultur immer verteidigt», hiess es in der Presseerklärung weiter.

(muv/rcv)

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