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Politik

Chávez' Nachfolger erbt viele Probleme

Die Trauer bei Chávez' Anhängern ist gross - sein Nachfolger tritt ein schweres Erbe an. (Bild: Keystone)

Venezuelas Wirtschaft steht und fällt mit der Ölindustrie. Die ist aber teilweise marode. Auch andere Sektoren schwächeln. Auf den neuen Präsidenten kommt viel Arbeit zu.

Veröffentlicht am 06.03.2013

Seit seinem Amtsantritt 1999 krempelte Hugo Chávez die Wirtschaft von Venezuela um. Er hinterlässt ein Land, das mehr denn je vom Öl abhängig ist. Die wichtigsten Fragen:

Wie hat sich Venezuelas Wirtschaft unter Chávez entwickelt?

Das Bruttosozialprodukt pro Einwohner ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent gewesen. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen: Lag er zu Beginn von Chávez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Wo liegen die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Amtszeit von Chávez von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoss der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den grössten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die hohen Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen.

Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der grössten Raffinerie des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chávez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

(chb/se/sda)

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