Die USA führen bei den Rüstungsausgaben weiter mit grossem Abstand die weltweite Tabelle an. Länder wie China oder Saudi-Arabien holen aber gegenüber anderen westlichen Ländern stark auf. Das Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) stellte seinen Jahresbericht zum militärischen Gleichgewicht auf der Welt vor. Es untersuchte 171 Länder. Die militärische Weltkarte beginnt nach Auffassung der IISS-Experten, sich in Richtung Asien zu verschieben. Grund dafür sind schrumpfende Rüstungsetats wegen immenser Sparzwänge in den westlichen Ländern.

Auf absehbare Zeit würden die USA jedoch der entscheidende militärische Faktor weltweit bleiben. Im vergangenen Jahr gaben die Vereinigten Staaten rund 600 Milliarden Dollar ( 542 Milliarden Franken) für Rüstung aus. China folgte mit 112 Milliarden Dollar mit deutlichem Abstand auf Rang zwei. «China wird Ende des Jahrzehnts vermutlich über drei Flugzeugträger verfügen«, sagte Christian Le Mière vom IISS. Die USA hätten aber schon jetzt elf atomgetriebene Flugzeugträger.

Sinkende Rüstungsausgaben im Westen

Der Sparzwang des Westens – jährlich gingen die Ausgaben für Rüstung seit 2010 um 2,5 Prozent nach unten – macht sich in der weltweiten Rangfolge deutlich. Grossbritannien rangiert noch auf Platz fünf und wurde 2013 von Saudi-Arabien überholt. Deutschland liegt mit 44,2 Milliarden Dollar auf Platz acht vor Indien mit Ausgaben über 36,3 Milliarden Dollar. Der Westen habe noch 2010 für zwei Drittel der weltweiten Rüstungsausgaben gestanden, sagte der Generaldirektor des Instituts, John Chipman. 2013 seien es nur noch knapp über 50 Prozent.

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Chipman sprach etwa von einem «dramatischen Verlust an Militärflugzeugen«. Weltweit sei ein Trend zum Ankauf von Drohnen sowie unbemannten Land- und Wasserfahrzeugen zu beobachten. IISS-Experten begründen dies mit dem technischen Fortschritt, der den Einsatz unbemannter Flugzeuge kostengünstiger mache. Nicht nur westliche Staaten könnten sich Drohnen leisten, sondern auch finanzschwächere Länder, Unternehmen oder Privatpersonen.

Im Dezember hatte etwa der US-Konzern Amazon erklärt, seine Kunden künftig mit Hilfe unbemannter Flugroboter beliefern zu wollen. Auch die Deutsche Post testete kürzlich die Zustellung von Päckchen per Drohne. Dem IISS-Bericht zufolge könnten die Flugkörper künftig auch zur Überwachung von Pipelines oder in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Mehr Drohnen im Einsatz

Das IISS prognostiziert zudem den häufigeren Einsatz von Drohnen zu militärischen Zwecken. Der «Military Balance 2014«-Report sieht vor diesem Hintergrund schwierige rechtliche und ethische Diskussionen. Dass eine «tödliche Aktion von einer Maschine entschieden« werde, bleibe eine Grenze, die die Gesetzgebung und die Öffentlichkeit «wahrscheinlich nicht bereit sein werden zu überschreiten«.

(sda/me)