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Kooperation
Chinas «Global Times» lobt die Schweiz

Die chinesische Tageszeitung gilt als Sprachrohr der Kommunistischen Partei und ist bekannt für ihre Breitseiten gegen ausländische Mächte. Die Schweiz dagegen wird in höchsten Tönen gelobt.

Von Gabriel Knupfer
am 20.01.2017

Donald Trump und der japanische Premier Shinzo Abe gehören zu den liebsten Feindbildern der oft sehr militaristisch argumentierenden Kommentatoren bei der chinesischen «Global Times». Ganz anders ist dagegen das Bild, das die Zeitung von der Schweiz zeichnet.

In einem Kommentar anlässlich des Staatsbesuches des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der Schweiz propagiert die Zeitung eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder. Die Schweiz und China sollten sich gemeinsam gegen den Aufstieg des Protektionismus stellen. Das Freihandelsabkommen mit der Schweiz könnte als Vorbild für globale Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels dienen.

Langjährige Partnerschaft

Die Bedeutung der Beziehungen zeige sich an ihrer langen Geschichte, schreibt «Global Times». Von der Anerkennung der Volksrepublik China im Jahr 1950 – als erstes westliches Land – bis zur Unterzeichnung der strategischen Partnerschaft im letzten Jahr, habe es immer eine enge Zusammenarbeit gegeben.

Besonders hervorgehoben wird das Freihandelsabkommen. «Global Times» bezeichnet es als «Meilenstein». Der Vertrag mit der Schweiz war für China das erste Freihandelsabkommen mit einer Top-20-Ökonomie und bedeutete den grössten Abbau von Zöllen in der Geschichte des chinesischen Aussenhandels.

«Starke Stimme für Globalisierung und Freihandel»

Zwar wird Donald Trump im Artikel nicht genannt. Dennoch ist klar, auf was die Verfasser mit dem «zunehmenden Handels- und Investitionsprotektionismus» anspielen. Trump hat seit seiner Wahl auf Twitter immer wieder gegen den Freihandel gewettert und umgibt sich mit vielen Protektionisten.

Chinas Präsident dagegen habe mit seiner Eröffnungsrede am World Economic Forum signalisiert, dass die «aufstrebende Macht China eine starke Stimme für Globalisierung und Freihandel» sei. Die Schweiz, welche diese Ausrichtung teile, sei deshalb prädestiniert für eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit.

Ausbau der Beziehungen in vier Bereichen

Die Kooperation könnte in vier wichtigen Bereichen gestärkt werden, so «Global Times». Erstens sollen schweizerische und chinesische Firmen eine «Zollfrei-Plattform» für den bilateralen Handel einrichten, um die Schutzzölle der EU zu vermeiden. Betroffen von den EU-Massnahmen sind beispielsweise Uhrenhersteller und Telekomfirmen.

Zweitens sollten die Regierungen Investitionen in beide Richtungen aktiv fördern. Drittens – und dies ist aus schweizerischer Sicht problematisch – sollten chinesische Firmen ermutigt werden, Joint Ventures mit Schweizer Firmen einzugehen. «Global Times» verweist hier auf Präzisionsmaschinen und Informationstechnologie. Die Schweizer Firmen kämen so zwar zu einen bevorzugten Marktzugang in China. Doch es besteht die Gefahr, dass die Technologien abgeschaut und danach ohne Schweizer Beteiligung in China übernommen werden.

Viertens sollten die Schweiz und China als Unterzeichner des Klimaabkommens von Paris auch in diesem Bereich enger zusammenarbeiten. Auch hier könnten die chinesischen Firmen viel von der Schweiz lernen. Ob allerdings auch die Schweiz von einer Kooperation im Bereich Cleantech profitieren würde, ist eine andere Frage, auf die der Artikel nicht eingeht.

Mehr Verantwortung auf dem internationalen Parkett

Das Fazit von «Global Times»: Die Zusammenarbeit mit der Schweiz ist für China wertvoll. Und dies nicht nur weil die beiden Länder wirtschaftlich voneinander profitieren können. Mindestens ebenso wichtig sei, dass China damit international mehr Verantwortung übernehme und sich als Vorreiter der Globalisierung und des Klimaschutzes positioniere.
 

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