Christa Markwalder leitet für ein Jahr die Sitzungen des Nationalrates. Der Rat hat die 40-jährige Berner FDP-Nationalrätin am Montag mit 159 von 183 gültigen Stimmen zur Präsidentin gewählt.

Damit ist Markwalder formell höchste Schweizerin. Sie ist die 26. Nationalratspräsidentin aus dem Kanton Bern seit Einführung des Bundesstaates im Jahr 1848. Der letzte Berner Nationalratspräsident war Hanspeter Seiler im Jahr 1999/2000.

Markwalder griff zum Instrument

Für die feierliche Umrahmung der Wahl sorgte Markwalder gleich selbst: Bevor sie eine Rede hielt und die Leitung des Rates übernahm, trat sie als Musikerin auf, gemeinsam mit Ratskolleginnen und -kollegen. Dem überparteilichen Streichquartett gehören neben der Cellistin Markwalder Balthasar Glättli und Kathrin Bertschy (Geige) sowie Maja Ingold (Bratsche) an. Das Quartett spielte Werke von Antonin Dvořák.

Das Ratspräsidium übernimmt Markwalder zu Beginn ihrer vierten Legislatur. Sie war bereits 2003 in den Nationalrat gewählt worden, im Alter von 28 Jahren. Erfahrungen gesammelt hatte sie zuvor in der Legislative der Gemeinde Burgdorf und des Kantons Bern.

Eher schlechtes Resultat

Markwalder gilt als weltoffene Freisinnige. Zuweilen weicht sie von der Parteilinie ab, etwa in der Energiepolitik. In gesellschaftspolitischen Fragen gehört sie dem linken Flügel ihrer Partei an. Als Präsidentin der Neuen Europäischen Bewegung setzte sich Markwalder für eine EU-Mitgliedschaft der Schweiz ein. Beruflich ist die Juristin für die Zurich Versicherung tätig.

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Mit 159 Stimmen erreichte Christa Markwalder ein vergleichsweise schlechtes Resultat. Ihr Vorgänger Stéphane Rossini (SP/VS) war mit 170 Stimmen gewählt worden, Ruedi Lustenberger (CVP/LU) ein Jahr vorher mit 175 Stimmen. Die sogenannte Kasachstan-Affäre, die im Sommer für Schlagzeilen gesorgt hatte, könnte Markwalder ein paar Stimmen gekostet haben. 14 Stimmzettel gingen leer ein, FDP-Nationalrat Wasserfallen erhielt 12 Stimmen.

Keine Konsequenzen für Markwalder

Markwalder hatte Unterlagen aus der Aussenpolitischen Kommission an eine Lobbyistin weitergegeben. Zudem hatte sie eine Interpellation zu Kasachstan eingereicht, auf deren Wortlaut nicht nur die Lobbyistin, sondern eine kasachische Partei Einfluss genommen hatte.

Dass Ähnliches im Bundeshaus keine Seltenheit ist, war weitgehend unbestritten. Der Fall hatte denn auch keine Konsequenzen für Markwalder. Er diente jedoch als Beispiel für den Einfluss von Lobbyisten im Bundeshaus und löste eine Debatte darüber aus, wie dieser begrenzt werden könnte.

(sda/mbü/ama)