«Das Ebolafieber bedeutet eine tödliche Gefährdung und beschränkt sich längst nicht mehr auf Westafrika», schreibt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli im neusten Online-Editorial der Volkspartei. Die Krankheit werde sich in ganz Westafrika ausbreiten und schon bald den Kontinent vereinnahmen. «Massenfluchtbewegungen» werden folgen, prophezeit Mörgeli.

Deswegen fordert er den Bund zum Handeln auf. Das Bundesamt für Gesundheit soll ein umfassendes Konzept vorlegen, wie die Schweizer Bevölkerung vor Ebola geschützt werden kann. Die Asyl- und Flüchtlingspolitik sei anzupassen, Einreiseverbote nicht ausgeschlossen. Der Grenzschutz muss erhöht und Sonderisolierstationen vorbereitet werden.

Keine Soldaten in Ebola-Regionen

Nicht zuletzt stemmt sich Mörgeli gegen das Entsenden von Schweizer Soldaten in Ebola-Gebiete, wie es der Bundesrat letzte Woche ankündigte. Denn die Soldaten würden Gefahr laufen, selber zu erkranken. Diese Erkrankten könnten Ebola in die Schweiz einschleppen, ist Mörgeli überzeugt.

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Der Einsatz könnte tatsächlich abgeblasen werden, aber nicht wegen der Angst vor Ebola. «Das Problem ist weniger die mögliche Ansteckung», erklärt Bundesrat Ueli Maurer in einem Interview mit der Sonntagspresse. Sicherheit ist der entscheidende Faktor. In Liberia herrschten «bürgerkriegsähnliche Zustände mit Kindersoldaten und Ähnlichem».

Bundesamt für Gesundheit beschwichtigt

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) versteht den aufgeschreckten Christoph Mörgeli nicht. «Dass Ebola die Menschen in der Schweiz bewegt und sie sich Sorgen machen, ist verständlich», sagt Mediensprecherin Mona Neidhart. «Die Krankheit konzentriert sich jedoch nach wie vor auf drei kleine Länder in Westafrika, und zu einer Ausbreitung in anderen Staaten ist es bis jetzt nicht gekommen», so die Mediensprecherin.

Auch für die Schweiz sei die Gefahr einer Ausbreitung unverändert klein. «Aus Guinea, Liberia und Sierra Leone stammt nur ein sehr geringer Teil der Asylsuchenden», kontert Neidhart die Forderung des SVP-Nationalrats nach einer Anpassung der schweizerischen Flüchtlingspolitik.

Einreiseverbot wäre kontraproduktiv

Ein Einreiseverbot für Asylsuchende aus diesen Regionen hält sie unter Umständen sogar für kontraproduktiv. Eine solche Massnahme würde verhindern, allfällige Infizierte frühzeitig zu erkennen und – falls erforderlich – rechtzeitig zu isolieren. «Es ist davon auszugehen, dass die fraglichen Asylsuchenden andere, illegale Wege suchen würden, um ins Land zu gelangen. Eine Kontrolle oder Befragung bezüglich ihres Gesundheitszustands wäre so nicht mehr oder erst zu spät möglich – und ein steigendes Risiko für die Verbreitung der Krankheit im Land die Folge», sagt die Mediensprecherin.

Bisher gab es in der Schweiz erst einen Verdachtsfall auf Ebola. Ein junger Asylsuchender aus Guinea wurde Ende September ins Universitätsspital Lausanne eingeliefert. Der Verdacht hat sich nicht erhärtet.