Der frühere Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan teilte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit, er habe um seine Demission gebeten. Der CIA war zuletzt im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Botschafters in Libyen eine falsche Informationspolitik vorgeworfen worden. Präsident Barack Obama würdigte in einer Erklärung die langjährigen Verdienste von Petraeus und bestätigte den Rücktritt.

Obama ging in seiner Erklärung nicht auf die Gründe für den Rücktritt ein. Experten werteten das Ausscheiden von Petraeus so kurz nach Obamas Wiederwahl als einen schweren Schlag für den Präsidenten. Petraeus war auch als Kandidat für ein Ministeramt in der neuen Regierung gehandelt worden.

Als kommissarischer Nachfolger bei der CIA wurde Petraeus bisheriger Stellvertreter Michael Morell benannt.

«Schlechtes Urteilsvermögen»

«Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine aussereheliche Beziehung unterhielt», schrieb der General an seine Mitarbeiter. «Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer.»

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Petraeus gilt als Amerikas berühmtester lebender General. Er hatte im Irak-Krieg die 101. Luftlandedivision nach Bagdad geführt und die US-Truppen im Irak befehligt. Später übernahm er das Oberkommando in Afghanistan. Seine Ernennung zum CIA-Chef im September 2011 wurde auch von den Republikanern unterstützt.

"David Petraeus hat den USA über Jahrzehnte ausserordentliche Dienste geleistet", hiess es in Obamas Erklärung. Petraeus habe den US-Streitkräften geholfen, sich neuen Herausforderungen anzupassen, die Männer und Frauen in Uniform durch die Kriege im Irak und in Afghanistan geführt und dazu beigetragen, beide Einsätze «auf den Weg zu einem verantwortungsvollen Ende» zu führen.

Obama: Unser Land sicherer gemacht

Bei der CIA habe Petraeus dann weiter mit «charakteristischer intellektueller Präzision, mit Hingabe und Patriotismus» gedient, fuhr Obama fort. «David Petraeus hat unser Land sicherer gemacht.»

Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen. Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat am 11. September in der ostlibyschen Metropole hatte die CIA Präsident Obama angeblich unzutreffend über die Hintergründe des Attentats informiert.

Der Anschlag, bei dem der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden waren, war später zum Wahlkampfthema geworden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney warf Obama Fehleinschätzung und Irreführung im Fall Bengasi vor.

Nach dem Anschlag hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge gegen die USA vom 11. September 2001.

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CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen.

(tke/sda)