Die frühere Credit-Suisse-Vermögensverwaltungstochter Clariden hat gemäss einem Emailwechsel bei der Treuhandgesellschaft Portcullis Trustnet in Singapur Anonymität für ihre Kunden gesucht. Dabei übte Clariden offenbar auch Druck aus.

Im Emailverkehr vom Januar 2007, der im Internet jedermann zugänglich ist (siehe Downloads), diskutieren Mitarbeiter des Portcullis Trustnet eine Anfrage von Clariden. Die Bank habe klargemacht, dass bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften die Besitzer nicht bekannt sein dürften.

Der Rechtsverantwortliche schreibt, die Auflagen von Clariden anzunehmen sei nur dann kein Problem, wenn die Schweizer Bank auch als wirtschaftlich Berechtigter («Beneficial Owner») auftrete. Ohne zumindest einer Verpflichtung von Clariden zu einer gründlichen Überprüfung der Kunden sei das Geschäft nicht akzeptabel.

Mit der Prüfung meint er auch, ob die Kunden Finanzmarktgesetze und Bestimmungen gegen die Geldwäscherei und die Terrorismusfinanzierung respektieren. Clariden solle dafür bürgen.

Geheimste Geheimhaltung

Der Rechtsverantwortliche schreibt weiter: «Wenn Clariden sich damit nicht einverstanden erklärt, würden sie den 'Heiligen Gral' suchen, also eine Offshore-Gesellschaft an einem Ort, wo die Gesetzeshüter und die Regulatoren bei der Suche nach den wirtschaftlich Berechtigten der Offshore-Gesellschaft und deren Eintragungsort eine weisse Wand vorfinden würden.»

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Mitarbeiter drängen den Rechtsverantwortlichen, für Clariden eine Ausnahme zu machen. «Ich denke, wir müssen uns darauf verlassen, dass Clariden ein respektiertes Finanzinstitut ist und durch die Geldwäschereigesetzgebung in der Schweiz reguliert ist», schreibt eine Mitarbeiterin.

Knappe Reaktion der CS

Clariden Leu ist Mitte 2012 in der Credit Suisse aufgegangen. Die Bank gab am Donnerstag einen knappen Kommentar ab: «Die Credit Suisse erfüllt in allen Bereichen ihrer Geschäftstätigkeit höchste Compliance-Standards und respektiert die Gesetze aller Länder, in denen sie Geschäfte tätigt», hiess es. Die Bank unterstütze ihre Kunden nicht bei der Umgehung ihrer Steuerpflichten.

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) ist der Ansicht, dass die Schweizer Banken nur am Rande von Offshore-Leaks tangiert seien. Die Schweiz sei nur bei 0,05 Prozent der über 120'000 betroffenen Gesellschaften und Trusts betroffen.

Zu Einzelfällen nehme man keine Stellung. Die SBVg gehe davon aus, dass sich die Schweizer Banken an die jeweiligen Gesetze der Länder hielten, in denen sie operierten. Wo Gesetze verletzt worden seien, müssten diese konsequent verfolgt werden.

(chb/sda)