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Entschieden
Clinton ruft sich zur Siegerin bei den Demokraten aus

Hillary Clinton: US-Präsident Obama hat ihr bereits gratuliert.Keystone

Hillary Clinton hat sich bei den letzten wichtigen Vorwahlen der Demokraten durchgesetzt - und sich sogleich zur Siegerin erklärt. Rivale Bernie Sanders gibt sich aber noch nicht geschlagen.

Veröffentlicht am 08.06.2016

Hillary Clinton hat sich im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zur Siegerin erklärt. Ihr Rivale Bernie Sanders gab sich jedoch nicht geschlagen. Der Senator erklärte nach den letzten grossen Vorwahlen, seinen Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit bis zum Nominierungsparteitag im Juli tragen zu wollen. Der Republikaner Donald Trump, dessen Kandidatur faktisch feststeht, läutete unterdessen den eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf ein, der erwartungsgemäss zur Schlammschlacht werden dürfte. Trump kündigte für nächste Woche eine Rede an, in der er über «all die Dinge» reden werde, «die unter den Clintons passiert sind».

Die Ex-Aussenministerin baute ihren Vorsprung auf Sanders nach den sechs Abstimmungen am Dienstag erheblich aus. «Wir haben heute Nacht Geschichte geschrieben», erklärte sie via Twitter. In einer Rede vor jubelnden Anhängern sprach die frühere First Lady in Anspielung darauf, dass sie als erste Frau für eine grosse Partei in eine Präsidentenwahl ziehen dürfte, von einem Meilenstein. US-Präsident Barack Obama gratulierte der 68-Jährigen telefonisch, die Mehrheit der Delegiertenstimmen für eine Nominierung gesichert zu haben. Am Donnerstag will er sich mit Sanders treffen.

Clinton gewinnt auch in Kalifornien

Auch im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien entschied Clinton die Vorwahl mit deutlichem Vorsprung für sich. Das berichteten CNN und MSNBC am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit). Der mit Abstand grösste US-Vorwahlstaat mit vielen hundert Delegierten war zwischen Clinton und ihrem innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders besonders hart umkämpft gewesen.

Die frühere Aussenministerin hatte sich bereits zuvor mit Siegen in New Jersey, New Mexico und South Dakota die für die Nominierung zur Kandidatin bei der US-Präsidentenwahl nötige Delegiertenzahl gesichert. Sie braucht für die Kür auf dem Parteitag im Juli noch zusätzlich die Stimmen einiger von der Parteibasis unabhängiger Delegierter («Super-Delegierte»), von denen ihr aber bereits Hunderte ihre Zustimmung zugesichert haben.

Sanders praktisch chancenlos

Clinton sieht sich aber weiterhin mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, vor der eigentlichen Wahl im November ihre Partei geschlossen hinter sich zu vereinen. Die zahlreichen Sanders-Anhänger, darunter viele jüngere Wähler, trauen ihr nicht über den Weg und nehmen ihr die Botschaft, für die Mittelschicht einzutreten, nicht ab. Der selbst ernannte Sozialist Sanders dagegen verspricht, gegen Super-Reiche zu Felde zu ziehen, die grossen Banken an der Wall Street zu zerschlagen, und ein nach seinen Angaben korruptes System zur Wahlkampffinanzierung, in dem Milliardäre Wahlergebnisse kauften, abzuschaffen.

Auf Clintons Vertrauenskrise setzt auch Trump. In seiner Rede, die er «wahrscheinlich am Montag» halten will, werde er über eine Reihe von Dingen unter Clinton und ihrem Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, sprechen. Das werde «sehr informativ und sehr, sehr interessant» sein. Ein Thema dürfte die E-Mail-Affäre sein. Clinton hatte als Aussenministerin einen privaten Server genutzt. Es laufen deswegen mehrere Untersuchungen gegen sie, auch eine der Bundespolizei FBI.

Trump im Hintertreffen

Doch auch Trump geniesst nach seinen rechtspopulistischen Auftritten und zahlreichen Beleidigungen bei vielen Amerikanern kein besonderes Ansehen. Auch er muss seine zerstrittene Partei einen. Clinton sagte, in dieser Wahl stehe viel auf dem Spiel. «Donald Trump ist vom Temperament her ungeeignet, Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sein.» Wenn er sage, ein in den USA geborener Richter könne sein Amt wegen seiner mexikanischen Wurzeln nicht erfüllen, oder wenn er einen behinderten Reporter verspotte und Frauen Schweine nenne, so verstosse das «gegen alles, wofür wir stehen». Einer neuen Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge liegt Trump knapp zehn Prozentpunkte hinter Clinton.

(reuters/mbü/ama)

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