Sechs Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl haben Millionen Bürger der ersten von drei TV-Debatten zwischen den Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump entgegengefiebert. Die 90-minütige TV-Debatte könnte bei noch unentschiedenen Wählern den Ausschlag geben und vielleicht sogar über den Ausgang der Wahl am 8. November entscheiden. Schätzungen rechneten mit einer Rekord-Zuschauerzahl von rund 90 Millionen.

Rund 50 Prozent der potenziellen Wähler erhofft sich von den insgesamt drei TV-Debatten zwischen der Demokratin Hillary Clinton und dem Republikaner Donald Trump wichtige Informationen für die Auswahl ihres Favoriten, wie aus einer Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos hervorgeht. Sechs Wochen vor der Wahl sind einer laut der Reuters/Ipsos-Erhebung 22 Prozent der potenziellen Wähler noch unentschlossen. Die bislang in Umfragen führende Clinton hat zuletzt einen grossen Teil ihres Vorsprungs eingebüsst.

Trump buhlt um jüdische Wähler

Bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kündigte Trump nach Angaben seines Wahlkampfteams am Sonntag an, im Falle seines Wahlsiegs werde er Jerusalem als «unteilbare Hauptstadt» Israels anerkennen. Trump habe erklärt, dass «Jerusalem seit mehr als 3000 Jahren die ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes ist». Sollte er gewählt werden, werde er eine entsprechende, 1995 vom US-Kongress gefällte Entscheidung umsetzen.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 den palästinensischen Ostteil Jerusalems erobert und 1980 annektiert, seitdem bezeichnet es Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt.

Die Vereinten Nationen und auch die USA erkennen die Annexion nicht an – Jerusalems endgültiger Status soll erst im Rahmen von Nahost-Friedensverhandlungen bestimmt werden.

Wahlveranstaltung in Mexiko

Die Bürgerrechtsorganisation Avaaz rief derweil in Mexiko lebende US-Bürger zur Teilnahme an der Präsidentschaftswahl auf, um so Trumps Einzug ins Weisse Haus zu verhindern. Bei einer von Avaaz organisierten Veranstaltung im Zentrum von Mexiko-Stadt kamen rund 200 US-Stimmberechtigte zusammen, um sich für die Präsidentschaftswahl registrieren zu lassen.

Der Milliardär Trump hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Äusserungen zu Mexiko für Schlagzeilen gesorgt. So schmähte er mexikanische Einwanderer pauschal als «Drogendealer» und «Vergewaltiger» und kündigte für den Fall seines Wahlsiegs den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko an – wofür nach seinen Plänen Mexiko zahlen soll.

Schlammschlacht vor Debatte

Unterdessen drohte der 70-jährige Rechtspopulist damit, eine ehemalige Geliebte von Clintons Ehemann Bill zum Fernsehduell einzuladen. Der Ex-Präsident hatte als Gouverneur von Arkansas eine Affäre mit dem ehemaligen Model Gennifer Flowers. Nachdem der Trump-Kritiker und Milliardär Mark Cuban angekündigt hatte, am Montag bei der TV-Debatte in der ersten Reihe zu sitzen, twitterte Trump: «Wenn der dämliche Mark Cuban in der ersten Reihe sitzen will, werde ich vielleicht Gennifer Flowers direkt neben ihn setzen!»


Nach ironischen Reaktionen von Clintons Wahlkampfteam zur Debattenkultur des umstrittenen Immobilientycoons erklärte Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway, Flowers sei nicht eingeladen. Trump habe ausserdem nicht vor, in der Debatte über die Seitensprünge von Hillary Clintons Ehemann zu sprechen. Die anderen beiden Fernsehdebatten sind für den 9. und 19. Oktober vorgesehen.

(sda/me/gku)

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