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Computervirus statt Militärschlag: Obama soll hinter Stuxnet stecken

Der Computervirus Stuxnet griff 2010 eine iranische Atomfabrik an. (Bild: Keystone)

Stuxnet sei Teil eines geheimen Cyberwar-Programms und gemäss «New York Times» von US-Präsident Barack Obama persönlich angeordnet worden.

Veröffentlicht am 01.06.2012

Vor knapp zwei Jahren hat der Computervirus Stuxnet Irans Atomprogramm fast zum Erliegen gebracht. Nun schreibt ein Journalist der «New York Times»: Stuxnet war Teil eines geheimen Cyberwar-Programms, das von US-Präsident Barack Obama angeordnet wurde.

Das schreibt der Washingtoner Chefkorrespondent der Zeitung, David E. Sanger, in seinem neuen Buch, aus dem am Freitag Auszüge veröffentlicht wurden. Er beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen.

Die Existenz des Computerschädlings Stuxnet gelangte im Sommer 2010 an die Öffentlichkeit. Gemäss Sanger weitete Obama darauf die Cyberwar-Aktion mit dem Codenamen «Olympic Games» (Olympische Spiele) weiter aus.

Unter den Quellen von Sanger befinden sich Personen, die bei einem Krisentreffen nach der Entdeckung von Stuxnet dabei gewesen waren. «Sollten wir die Sache jetzt stoppen?», habe Obama dort gefragt. Da aber unklar gewesen sei, wie viel die Iraner über die Schadsoftware wussten, sei beschlossen worden, weiterzumachen.

In den Wochen darauf sei die iranische Atomfabrik in Natanz mit einer neueren Version von Stuxnet angegriffen worden und dann mit einer weiteren. Die letzte Attacke habe rund 1000 der damals 5000 Zentrifugen zur Urananreicherung zeitweilig ausser Betrieb gesetzt.

Iran war Ziel von Stuxnet

Stuxnet war ein hochentwickelter Computerwurm, der ausschliesslich Industriesysteme der deutschen Marke Siemens in der für Atomzentrifugen typischen Konfiguration angriff. Ziel war das Siemens-System Simatic S7, das in Industrieanlagen zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse verwendet wird.

Die Konfiguration von Stuxnet liess Experten von Anfang an vermuten, dass der Iran das Ziel gewesen sein dürfte. Ausserdem argumentierten sie, die Software sei so komplex und aufwendig geschrieben, dass sie nur das Werk westlicher Geheimdienste sein könne.

Die Auswirkungen der Cyber-Angriffe seien umstritten, schreibt Sanger, der eineinhalb Jahre für das Buch recherchierte. Im Weissen Haus gehe man davon aus, dass das iranische Atomprogramm um 18 bis 24 Monate zurückgeworfen worden sei.

Andere Experten sind skeptischer und glauben, dass die iranischen Wissenschaftler die Anreicherung wieder schnell hochfuhren und das Land heute über genug Material für fünf oder mehr Atomwaffen verfügen könnte.

Computervirus statt Militärschlag

Obama sei bewusst gewesen, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könne, heisst es unter Berufung auf Teilnehmer der geheimen Treffen. Seine Sorge sei gewesen, dass andere Länder oder Terroristen die USA als Vorbild nehmen und selber Cyber-Attacken starten könnten.

Zugleich habe Obama gehofft, mit den Computerangriffen einen israelischen Militärangriff auf den Iran verhindern zu können, der einen grossflächigen Regionalkonflikt zur Folge haben könnte. Wenn die Cyber-Attacke versage, werde es keine Zeit mehr für Sanktionen und Diplomatie geben, habe Obama gewarnt.

Das Cyberwar-Programm sei noch zu Zeiten von Obamas Vorgänger George W. Bush aus der Taufe gehoben worden, schreibt Sanger. Erst in der Amtszeit des aktuellen Präsidenten seien amerikanische und israelische Computerexperten mit dem komplexen Wurm fertiggeworden. Obama betreute gemäss dem Autor das Programm selber und autorisierte jeden weiteren Schritt persönlich.

Israel schuld an Ausbreitung

Entdeckt worden sei Stuxnet als Folge eines Software-Fehlers, schreibt Sanger. Der Computerschädling, der die Anlage in Natanz eigentlich nie verlassen sollte, pflanzte sich auf dem Computer eines Ingenieurs ein.

Als dieser den Rechner später ans Internet anschloss, erkannte Stuxnet demnach nicht, dass der Computer nicht mehr in der Atomanlage ist, und begann, sich auszubreiten. Nach Darstellung von Sangers Quellen soll der Fehler in einer Stuxnet-Modifizierung der israelischen Partner gesteckt haben.

(vst/laf/sda)

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