Die CSU kann in Bayern wieder alleine regieren. Eine Woche vor der Bundestagswahl gewann die Partei von Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Landtagswahl am Sonntag die absolute Mehrheit zurück. Eine herbe Niederlage musste die FDP hinnehmen: Sie scheiterte deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde und wird im neuen Landtag nicht mehr vertreten sein.

Die SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Christian Ude konnte gemäss dem bundesweiten Aufwärtstrend leicht zulegen, die Grünen büssten Wählerstimmen ein und lagen mit den Freien Wählern gleichauf. «Das ist ein grossartiger Wahlerfolg», sagte Seehofer vor jubelnden Anhängern in München. «Wir sind wieder da.»

Der Unterlegene Ude räumte die Niederlage ein, betonte aber, die SPD habe Stimmen hinzugewinnen können und «eine Trendwende» geschafft. «Es geht wieder aufwärts mit der SPD in Bayern.» Linke und Piraten verpassten den Einzug in den Landtag. Die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) trat bei der Landtagswahl nicht an.

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Mit Blick auf die Bundestagswahl sahen sich beide Lager für die Abstimmung gestärkt. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer sagte im ZDF: «Das bringt für uns den notwendigen Schwung, für die letzte Woche nochmal alles zu geben.» Die FDP habe in Bayern traditionell Probleme. «Deshalb ist dieses Ergebnis für die FDP Motivation, ihre Stammwähler zu aktivieren.» Zu einer möglichen Unterstützung der Union für die FDP mit Blick auf die Zweitstimme machte er aber klar: «Wir kämpfen für unsere Kanzlerin.»

FDP-Chef Philipp Rösler nannte das Ergebnis einen Weckruf für seine Partei. Das Ergebnis sei eine schwere Niederlage, räumte Rösler vor Anhängern in Berlin ein. Nun gehe es darum, alle Kräfte zu mobilisieren.

Absage an Zweitstimmenkampagne für die FDP

Nach der ARD-Hochrechnung von 18.39 Uhr gewann die CSU deutlich auf 49,1 Prozent, nachdem sie 2008 mit 43,4 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 50 Jahren eingefahren hatte. Ihr Koalitionspartner FDP fiel auf 3,1 Prozent nach 8,0 Prozent von fünf Jahren. Die SPD verbesserte sich auf 20,8 Prozent nach 18,6 Prozent 2008. Die Freien Wähler sackten auf 8,4 Prozent nach 10,2 Prozent vor fünf Jahren ab.

Nahezu gleichstark mit 8,5 Prozent schnitten die Grünen ab, die damit auch unter ihrem Ergebnis von 9,4 Prozent von vor fünf Jahren blieben. Damit erringt die CSU 102 der 180 Sitze im bayerischen Landtag. Die SPD stellt 43 Abgeordnete. Die Grünen kommen auf 18 Mandate, die Freien Wähler auf 17. Die Wahlbeteiligung lag mit 64,5 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren mit 57,9 Prozent.

Auch die noch amtierende Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner schloss eine Zweitstimmenkampagne der Union für die FDP bei der Bundestagswahl aus. «Wir haben mit ihnen gut regiert, sowohl im Bund als auch in Bayern, sie muss aber für ihre Stimmen auch immer selbst kämpfen», sagte die CSU-Politikerin dem ZDF. Über eine Zukunft in der bayerischen Landesregierung wollte Aigner nicht spekulieren. Darüber werde frühestens nach der Bundestagswahl geredet, sagte sie. Klar ist aber, dass Aigner im Fall eines Wahlsiegs der Union einer neuen Bundesregierung nicht mehr angehören wird.

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SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sieht im Ergebnis ihrer Partei ein positives Signal für die Bundestagswahl in einer Woche. Die SPD sei die einzige Oppositionspartei, die dazugewonnen habe, sagte Nahles in der ARD. Zudem habe die Partei deutlich besser abgeschnitten, als dies Umfragen vorausgesagt hätten. «Das ist für uns, für die bayerischen Verhältnisse gesehen, ein gutes Ergebnis.» Mit Blick auf den wachsenden Einfluss für Seehofer nach dem Gewinn der absoluten Mehrheit, sagte Nahles: «Wer nicht will, dass Deutschland aus München regiert wird, sollte am Sonntag SPD wählen.»

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth räumte ein: «Wir haben uns mehr erwartet.» Sie deutete an, dass die Partei bislang womöglich die falschen Themen in den Vordergrund rückte: "Wir haben natürlich über die Energiewende geredet", sagte sie, fügte aber hinzu: «Und vielleicht müssen wir das mit Blick auf die Landtagswahl in Hessen und die Bundestagswahl auch noch stärker tun.»

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Seehofer bei «Sachverstand» deutlich vor Ude

Nach einer ZDF-Analyse hatte Seehofer bei den Wählern einen deutlichen Vorsprung gegenüber seinem Herausforderer beim der Frage nach dem Sachverstand. Auch bei der Aussage "passt besser zu Bayern" schnitt der Ministerpräsident deutlich besser ab. Laut ARD-Analyse konnte die CSU vor allem Nichtwähler und Anhänger der FDP für sich gewinnen.

Im Bund liefern sich beide politischen Lager nach jüngsten Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im ZDF-Politbarometer vom Freitag kamen Union und FDP zusammen auf 46 Prozent. Dabei büsst die Union zur Vorwoche einen Punkt auf 40 Prozent ein, die FDP verharrt bei sechs Prozent. Auch für die SPD würden unverändert 26 Prozent stimmen. Die Grünen konnten ihren Abwärtstrend aus den vorigen Wochen offenbar stoppen und legten einen Punkt auf elf Prozent zu. Die Linkspartei bleibt bei acht Prozent. Die Piraten und die euro-kritische AfD kämen demnach nicht in den Bundestag, könnten den etablierten Parteien aber wertvolle Stimmen abjagen.

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(reuters/aho)