Die Walliser Nationalrätin Viola Amherd und die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen sind die offiziellen Bundesratskandidaten der CVP. Das hat die Fraktion am Freitagabend entschieden. Elisabeth Schneider-Schneiter und Peter Hegglin sind damit aus dem Rennen.

Viola Amherd: Zwischen Favoritenrolle und Affären

Die Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd sieht sich als Mittepolitikerin und Brückenbauerin. Der SVP ist die Anwältin und Notarin jedoch zu links und feministisch. Als Einzige der Bundesratskandidaten hat sie in jüngster Zeit für negative Schlagzeilen gesorgt.

Als Amherd ihre politische Karriere bei der Oberwalliser CVP im Jahr 1992 startetet, hätte sie niemals gedacht, dass sie eines Tages für den Bundesrat kandidieren würde. Und trotzdem wird die 56-Jährige heute als Nachfolgerin der scheidenden CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt. Lange galt sie als klare Favoritin.

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Dies hat sich in den letzten Wochen und Tagen allerdings geändert. Zunächst berichtete der "Walliser Bote" über eine Mietzinsaffäre, in welche die Erbengemeinschaft um Amherd verwickelt ist. Die Beteuerungen der Bundesratskandidatin, es handle sich bei dem Streit um ein Zivil- und kein Strafverfahren, und die Angelegenheit habe nichts mit ihrer politischen Arbeit zu tun, nützten wenig.

Die Affäre machte die Runde, und die «Weltwoche» setzte noch eins obendrauf. Sie warf Amherd vor, sie habe zwei Jungnotare um mehrere tausend Franken bringen wollen. Amherd bezeichnete die Aussagen der «Weltwoche» an ihrer Medienkonferenz in Brig, wo sie ihre Beweggründe für die Bundesratskandidatur darlegte, als «komplett falsch». Trotzdem dürften die Berichte Zweifel bei verschiedenen Parlamentarierinnen und Parlamentariern genährt haben.

Mit Nierensteinen im Spital

Ironie der Geschichte ist, dass Amherd wegen Nierensteinen zu einem Spitalaufenthalt gezwungen wurde. Ihre Bundesratskandidatur gab die Oberwalliserin am 24. Oktober vom Krankenbett aus per Communiqué bekannt. Dem «Blick» verriet sie, dass ihr «Gottekind» - die Tochter ihrer Schwester - sie zur Kandidatur ermuntert habe. Amherd ist ledig und hat selbst keine Kinder.

Zu Beginn ihrer politischen Karriere musste Amherd laut eigenen Aussagen eher dazu "überredet" werden, für ein Amt zu kandidieren. Die gelernte Juristin schaffte 1992 die Wahl in den Gemeinderat von Brig. Vier Jahre später wurde sie Vizepräsidentin der Stadt und 2000 Stadtpräsidentin. Dieses Amt bekleidete Amherd zwölf Jahre lang.

1999 misslang der Anlauf, als erste Frau in die Walliser Regierung einzuziehen. Amherd wurde hinter dem SP-Mann Thomas Burgener Zweite.

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In die nationale Politik stieg Amherd 2005 durch die Hintertüre ein. Als erster Ersatz auf der Liste der CVP konnte sie Jean-Michel Cina im Nationalrat beerben, als dieser in den Walliser Staatsrat gewählt wurde.

Arbeit hinter den Kulissen

Als diskrete Politikerin bevorzugt Amherd die Arbeit hinter den Kulissen. Trotzdem schaffte sie es auf einem von der «SonntagsZeitung» 2017 erstellten Ranking der einflussreichsten Parlamentarier auf den 18. Platz.

Im Nationalrat engagiert sich die seit sieben Jahren amtierende Vizepräsidentin der CVP-Fraktion für Kinder und Jugendliche. Amherd kämpft aber auch für die Interessen der Rand- und Berggebiete.

Amherd sieht sich gerne als «Brückenbauerin» und beansprucht für sich einen Platz in der Mitte des politischen Spektrums. Unterstützung geniesst die Walliserin von links wie von rechts. Die Grünen gaben ihr 2015 anlässlich der Wahl von Guy Parmelin (SVP) 16 Stimmen. Das bürgerliche Lager ist allerdings weitaus weniger begeistert von der CVP-Politikerin Amherd. Vor allem in der SVP wird sie als zu links und zu feministisch wahrgenommen.

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Heidi Z'graggen: Vom Bergkanton in den Bundesrat - ohne Halt

Frau, Innerschweizerin und bereit für die Landesregierung: Die 52-jährige Urner CVP-Justizdirektorin Heidi Z'graggen hat zwar keine Erfahrung als Bundesparlamentarierin. Sie blickt aber auf eine lange Politkarriere zurück und hat ein breites Netzwerk.

2004 hatte sie im Urnerland für eine Überraschung gesorgt: Ihre Wahl in die Kantonsregierung schaffte Heidi Z'graggen aus dem nichts mit einem Glanzresultat. Die damals 38-Jährige arbeitete zuvor als Primar-und Sekundarlehrerin und studierte und doktorierte in Politikwissenschaften an der Universität Bern.

Sechs Jahre nach ihrer Wahl in die Urner Exekutive wollte die CVP-Politikerin dann einen Schritt weiter - nordwärts. Sie liebäugelte mit dem Sprung nach Bern. Die Wahl in den Ständerat verpasste sie dann aber und musste ihrem Regierungskollegen, dem parteilosen Finanzdirektor Markus Stadler, den Vortritt lassen.

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Sawiris Wegbegleiterin

Dass sie nun als Bundesratskandidatin keine Erfahrungen als Bundesparlamentarierin vorweisen kann, sieht sie, wie sie selber sagt, nicht als Handicap. Als Regierungsrätin seien ihr die bundespolitischen Themen bestens vertraut.

Heidi Z'graggen sass unter anderem von 2007 bis 2016 im Parteipräsidium der CVP Schweiz, 2016/2017 präsidierte sie die Zentralschweizer Regierungskonferenz. Und seit Anfang Jahr ist sie Präsidentin der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission.

Von sich Reden machte sie auch immer wieder im Zusammenhang mit dem Tourismusresort in Andermatt. Denn als Justizdirektorin ist sie auch Vorsitzende der regierungsrätlichen Planungskommission und damit zuständig für das Projekt und die Skigebietsentwicklung in Andermatt.

Nicht selten wurde sie auch als Wegbegleiterin des ägyptischen Investors Samih Sawiris bezeichnet. Sie setzte sich zwar kräftig für den Naturschutz ein, ebnete ihm aber den Weg für sein gigantisches Projekt, das gerade bei den Einheimischen nicht von Anfang an willkommen war. Z'graggen regelte, dass die Einschränkungen der Lex Koller und der Zweitwohnungsinitiative für das Sawiris-Resort nicht gelten.

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Im Wirtschaftsflügel

Heidi Z'graggen gilt als eine eher konservative Politikerin. In einem Hearing kritisierte sie die Tonalität der EU, die immer Forderungen stelle. In Zeitungsinterviews betonte sie, dem Wirtschaftsflügel der Partei anzugehören.

Z'graggen ist es ein Anliegen, dass die Innerschweiz in der Landesregierung vertreten ist. Noch wichtiger ist für sie aber, dass es der Kanton Uri sein wird - er war es nämlich noch nie. Sie steht auch für die Frauen ein und sagt: «Nur wenn Frauen sich auch zur Verfügung stellen, können sie nominiert und gewählt werden.»

Heidi Z'graggen ist unverheiratet, hat keine Kinder und lebt seit 10 Jahren in einer Partnerschaft mit dem Zürcher SVP-Politiker und ZKB-Bankrat Bruno Dobler. In ihrer Freizeit ist sie oft auf Wanderungen, fährt Ski und Velo, tankt Kraft in den Urner Bergen. Bezeichnend betitelte der "SonntagsBlick" sie kürzlich als «Gipfelstürmerin».

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(sda/mlo)