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USA
Darum gibt Sanders den Kampf nicht auf

Bernie Sanders kommt vor allem bei den jungen Wählern gut an. Keystone

Bernie Sanders liegt im US-Wahlkampf weit hinter seiner Kontrahentin Hillary Clinton zurück. Wieso gibt der Demokrat dennoch nicht auf? Hat er doch noch eine Chance auf die Kandidatur?

Veröffentlicht am 18.05.2016

Wenn Bernie Sanders ruft, dann kommen die Massen. Seine Kundgebungen im US-Wahlkampf wirken wie Rockkonzerte, füllen Stadien, schlagen Wellen. Nicht schlecht für einen 74-Jährigen, der praktisch keine Chance mehr hat. Sanders gewinnt noch immer Wahlen - und schadet damit seiner parteiinternen Kontrahentin Hillary Clinton in ihrem Kampf gegen Donald Trump. Was treibt Sanders? Die wichtigsten Fragen im Wahlkampf der US-Demokraten:

Bernie Sanders hat am Dienstag die Vorwahl in Oregon gewonnen, in Kentucky gab es praktisch ein Patt mit Hillary Clinton - hat er noch eine Chance auf die Kandidatur?
Rein theoretisch schon. Sanders liegt bei der Zahl der Delegierten aber praktisch uneinholbar zurück. Auch die Staaten, die er gewinnt, gewinnt er nicht deutlich genug, um den Vorsprung Clintons noch auszugleichen. Er müsste jetzt zwei Drittel aller noch ausstehenden Delegierten gewinnen, um Clinton einzuholen. Und selbst dann: Die Superdelegierten, aktuelle und frühere Amtsträger der Demokraten, etwa Ex-Präsident Bill Clinton, haben sich mit überwältigender Mehrheit für Hillary Clinton ausgesprochen. Auch diesen Block müsste Sanders noch umstimmen, wollte er auf dem Parteitag im Juli in Philadelphia eine Mehrheit bekommen.

Sieht Sanders das anders?
Nein. Der Senator aus Vermont weiss sehr genau um die Mathematik der Delegiertenverteilung. Insgeheim dürfte die Kandidatur für die Demokraten nicht mehr vorderstes Ziel sein. Er will aber auf alle Fälle weitermachen. «Wir werden bis zur letzten Stimme kämpfen und in den Parteitag nach Philadelphia ziehen», kündigte er am Dienstag an. Beflügelt wird er von sehr guten Umfragewerten - die insgesamt klar besser sind als die von Clinton und auch von Republikaner-Bewerber Donald Trump. Und von Spenden: Klein-Beiträge von im Schnitt 27 Dollar haben seine Kriegskasse mit zig Millionen Dollar gefüllt.

Was sind stattdessen seine Ziele?
Sanders ist selbst ernannter «demokratischer Sozialist», zumindest für US-amerikanische Verhältnisse ein Linker. Der Zulauf für seine Ideen, die sich vor allem im Kampf gegen den Einfluss des «Big Money» sowie auf Pazifismus und soziale Gerechtigkeit richten, ist überraschend gross. Sanders spricht von einer «Bewegung» die er vor allem bei jungen Wählern entfacht habe. Diese will er über die Wahlen hinaus am Leben erhalten. Das Bild von der Wall Street als Feind des Volkes soll über den Wahlkampf 2016 hinaus verankert werden.

Wie könnte das gehen?
Sanders will den Parteitag in Philadelphia nutzen, um seine Leute in der Partei zu etablieren. Dort könnten sie dann Plattform-Politik betreiben und auch versuchen, eine Präsidentin Hillary Clinton von links zu züchtigen. Schon jetzt im Wahlkampf musste Clinton ihre Positionen justieren, dem Druck von links hier und da nachgeben, um die Wähler aus dem Sanders-Lager nicht zu vergraulen. Sanders könnte etwa auf eine Kampfkandidatur verzichten und dafür auf einen Kabinettsposten spekulieren. Diese wäre für Clinton riskant und schmerzhaft. Die Karrierefrage dürfte für den 74-Jährigen Sanders allerdings nicht mehr an erster Stelle stehen.

Was bedeutet der lange Zweikampf Sanders-Clinton für die Demokraten?
Er kommt denkbar ungelegen, weil er die Partei und mit ihr auch die Wählerschaft spaltet. Auf einem regionalen Parteitag in Nevada kam es am Wochenende sogar zu Ausschreitungen. Sanders, der als Senator von Vermont lange parteiunabhängig Politik gemacht hat, fühlt sich von den Demokraten benachteiligt. Seine Anhänger machten in Nevada Randale, weil Personalvorschläge für Delegierte abgelehnt wurden. Parteichefin Debbie Wassermann Schultz forderte eine Distanzierung von Sanders und fügte hinzu: «Leider ist diese bisher nicht erfolgt.» Die grosse Sorge: Auch in Philadelphia könnte es Ärger geben.

Nimmt Sanders also sehenden Auges in Kauf, seine Partei und damit Hillary Clinton im Kampf gegen Donald Trump zu schwächen?
Ja. Sanders ist gekränkt, weil er sich von der Partei tatsächlich benachteiligt fühlt, etwa bei der Ansetzung von für ihn vorteilhaften TV-Debatten zu schlechten Sendezeiten. Einige Politikwissenschaftler gehen davon aus, dass sich die demokratische Wählerschaft auch nach einem hart geführten Vorwahlkampf hinter Clinton vereinigen wird. Andere befürchten dagegen, dass der Hass auf das «System Clinton» bei den Sanders-Anhängern so gross werden kann, dass sie gar nicht wählen gar oder - noch schlimmer - zu Trump wechseln. Nicht umsonst sagt Trump in seiner typischen Art: «Run, Bernie run!»

(sda/cfr)

Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus:

 

 

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