Europa hält wegen Griechenland den Atem an – wieder einmal. Doch diesmal geht es nicht um frische Hilfsgelder, Sparmassnahmen oder Rezessionsängste. Im Dezember 2014 ist die politische Stabilität des südeuropäischen Landes in Gefahr. Das kann am Ende auch die Schweiz treffen, sollte die Euro-Krise sich wieder verschärfen. «Die Unsicherheit kehrt früher als erwartet zurück», befürchten die Ökonomen der Credit Suisse.

Warum? Griechenlands Regierung entschied sich jüngst, die Präsidentschaftswahlen von Ende Februar 2015 auf Dezember vorzuverlegen – eine unangenehme Überraschung für die Finanzmärkte, die nicht zuletzt aus diesem Grund in der vergangenen Woche deutlich nach unten zeigten. Nun startet der erste Urnengang am morgigen Mittwoch, der letzte könnte Ende des Monats stattfinden.

Gibt es nach drei Wahlgängen noch immer keinen neuen Präsidenten, sieht die griechische Verfassung Neuwahlen vor – vermutlich spätestens Anfang Februar.

Linksradikale Syriza gilt als stärkste Partei

Das Problem: Der Regierungskoalition fehlen Stimmen für die Wahl des Präsidenten, sie ist deshalb auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen. «Sollte die Wahl scheitern, wird die Eurokrise zwangsläufig Anfang 2015 wieder hochkochen», heisst es in einer Analyse der Bantleon Bank. Inzwischen rechnet einer Umfrage zufolge sogar wieder jeder zehnte Investor mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone.

Denn die linksradikale Syriza gilt heute in Umfragen als stärkste Partei. Ihr Anführer Alexis Tsipras jedoch geht auf Konfrontation mit den Geldgebern, der Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB). Der Grieche will einen Schuldenschnitt für sein Land – auf Kosten der Troika.

SNB-Devisenreserven stiegen bis Juni 2012 um 90 Milliarden Franken

Damit werden böse Erinnerungen wach: Anfang Mai 2012 scheiterte schon einmal eine Parlamentswahl in Griechenland. Aus Verbitterung über die heftige Sparpolitik und das zunehmende Elend wandten sich viele Wähler von den beiden Volksparteien Pasok und Nea Dimokratia ab. Erst die zweite Wahl Mitte Juni 2012 brachte stabile Mehrheitsverhältnisse. Aber die linksradikale Syriza erhielt über ein Viertel aller Stimmen.

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Die Euro-Zone erlebte in dieser Zeit ihre wohl schlimmsten Wochen, viele Beobachter rechneten mit einem baldigen Zusammenbruch des Währungsraums respektive einem Austritt Griechenlands. Für die Schweiz hatte das heftige Auswirkungen. Investoren flüchteten panikartik in den Franken, der massiv aufwertete. Die SNB sah sich gezwungen, den Mindestkurs zu verteidigen – so stark wie nie zuvor (siehe Grafik). In nur wenigen Monaten stiegen die Währungsreserven um rund 90 Milliarden bis Mitte 2012 auf 439 Milliarden Franken. 

Brandschutzmauern in Europa sind heute höher als 2012

Sollte die Euro-Krise tatsächlich wieder eskalieren, könnte im schlimmsten Fall ein ähnlich düsteres Szenario drohen. Allerdings relativieren Experten. Denn die Brandschutzmauern der Euro-Zone sind heute deutlich höher als noch 2012. Die EZB ist bereits kurz davor, Staatsanleihen zu kaufen – möglicherweise schon Anfang 2015. «Dies dürfte eine potenzielle Spread-Ausweitung bei Staatsanleihen aus den Euroländern begrenzen», glauben die Ökonomen der Credit Suisse. Daneben steht das Finanzsystem heute auf deutlich stabilerem Fundament als noch vor zweieinhalb Jahren.

Tatsächlich könnte bei einem positiven Ausgang der aktuellen Griechenland-Krise sogar der Weg frei sein für eine bislang noch wenig erwartete Erholung. Denn die hellenische Wirtschaft legt wieder zu (siehe Bildergalerie unten), für kommendes Jahr ist ein ausgeglichener Haushalt veranschlagt. «Bleibt die Eskalation in Griechenland aus, geht gleich von einer ganzen Batterie von Faktoren kräftiger Rückenwind aus, die das Wachstum der Eurozone im ersten Halbjahr 2015 spürbar anschieben sollten», stellen die Bantleon-Experten in Aussicht. Namentlich wären das ein schwächerer Euro, fallende Rohstoffpreise, eine ultra-expansive Geldpolitik und die robuste US-Wirtschaft.