«Golden Goodbye», fasst  «Russia Today» die Abstimmung über goldene Fallschirme und exorbitante Managerlöhne kurz. «Die Schweizer nehmen die Cheflöhne an die kurze Leine», titelt die amerikanische CBS News. «Die Wut über ‹fat cat›-Chefs treibt Schweizer dazu, den Aktionären mehr Macht über Managerlöhne zu geben», schreibt die «Washington Post».

Die «New York Times» stellt Initiant Thomas Minder ins Zentrum. Sie schreibt, er habe einen persönlichen Kampf gegen das Management der 2001 konkurs gegangenen Swissair in ein nationales Referendum gegen Abzocker verwandelt. Bei diesem hätten die Schweizer Stimmbürger die Warnungen der Wirtschaftslobby ignoriert, die um das investorenfreundliche Image des Landes bangte.

«Die zunehmende Empörung über exzessive Managerlöhne hat das Fass in der Schweiz zum Überlaufen gebracht», titelt der britische «Independent». Nach dem Ja zur im englischen Sprachraum sogenannten «Rip-off»-Initiative müsse nun die öffentliche Wut in konkrete Taten umgesetzt werden.

Warnung vor Lobbyisten

Anzeige

«Jetzt sind die Wutbürger auch in der Schweiz angekommen» kommentiert die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer Online-Ausgabe. «Dort dürfen sie allerdings nicht nur protestieren, sondern tatsächlich entscheiden.» Durch die Annahme der Initiative hätten die Stimmbürger «ihrem Land so potenziell eines der schärfsten Aktionärsrechte der Welt» beschert.
«Wahrscheinlich ergäbe eine Volksabstimmung gegen die 'Abzockerei' überall eine ähnlich hohe Zustimmung wie in der Schweiz», mutmasst die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». In ihrer Online-Ausgabe warnt sie aber vor zu grossem Optimismus: Bis das Resultat in ein Gesetz gegossen sei, werde es noch dauern. «Das bietet Lobbyisten aller Art ein reiches Betätigungsfeld.»

Mit einem nüchternen «Sieg der Bürger über die Gehaltsmillionäre» betitelt der Kommentator der deutschen Zeitschrift Spiegel-Online das Resultat der Abstimmung. Das Ergebnis sei ein Signal an ganz Europa: «Das politische Establishment in anderen Ländern Europas wird gut daran tun, sich die Schweizer Lektion zu Herzen zu nehmen.»

«Ausgerechnet die Schweiz»

Die auflagestärkste Zeitung Italiens, «La Rebbublica», titelt auf ihrer Internetseite: «Die Schweiz sagt 'basta' zu den Superboni.» Ein «kleiner Unternehmer aus Schaffhausen» habe einen «Tornado von Jas» für seine Initiative erhalten, so die linksliberale Zeitung weiter.
Der «Corriere della Sera» kommentiert: Es sei «ausgerechnet die Schweiz» - das Land der Banken und multinationalen Konzerne - die als erster Staat in Europa ein Gesetz gegen die Riesengehälter von Managern einführe. Wie andere Zeitungen nimmt das Blatt die Metapher der fetten Katzen auf und schreibt: Für die Schweizer Katzen fängt heute eine harte Diät an.

Die liberale Wiener Zeitung «Der Standard» schreibt in ihrer Ausgabe vom Montag: «Das Beispiel der Eidgenossen sollte in Europa Schule machen. Unsere freie Wirtschaftsordnung würde davon profitieren.»

Anzeige

Die französische Wirtschaftszeitung «Les Echos» spricht gar davon, dass die Schweiz «eine echte Revolution» erleben werde. «Sie wird zur Weltmeisterin der Aktionärsdemokratie», schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe.

Der «Figaro» äussert sich erstaunt über die «Sturmflut» in einem Land, das gegenüber den Interessen der Arbeitgeber und dem Wirtschaftsliberalismus meist wohlgesonnen ist. Zudem fragt er sich: «Welche Mücke hatte wohl Daniel Vasella gestochen?» Auch andere französische Zeitungen platzierten das Thema auf ihren Sites prominent, so etwa «Libération» und «Le Monde».

(jev/tke/sda)

Anzeige