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Prozess
Das Gericht berät das Urteil über Hoeness

Im Prozess gegen Bayern-Boss Hoeness fordert die Staatsanwaltschaft fünfeinhalb Jahre Haft, die Verteidigung sieht höchstens eine Bewährungsstrafe. Jetzt berät das Gericht über das Urteil.

Veröffentlicht am 13.03.2014

Die Staatsanwaltschaft will Uli Hoeness wegen schwerer Steuerhinterziehung hinter Gitter bringen. Anklagevertreter Achim von Engel plädierte am Donnerstag vor dem Landgericht München auf fünf Jahre und sechs Monate Haft. Von den sieben Fällen von Steuerhinterziehung seien vor allem die ältesten besonders schwer, weshalb der Strafrahmen die fünf Jahre für einfache Hinterziehung überschritten sei. Hoeness habe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Die Verteidigung des FC-Bayern-Präsidenten forderte indes die Einstellung des Verfahrens oder allenfalls eine Bewährungsstrafe.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte dagegen, die Selbstanzeige des 62-Jährigen sei unwirksam, weil die notwendigen Unterlagen zunächst lückenhaft gewesen und dann zu spät vorgelegt worden seien. Zwar sei dem Angeklagten anzurechnen, dass er die Hinterziehung gestanden habe und der Fall in der Öffentlichkeit hohe Wellen schlage, das seien aber keine ausreichenden Gründe für eine Bewährungsstrafe.

Hoeness' Lebensleistung zählt nicht

Auch seine «Lebensleistung» helfe ihm nicht: In der Zeit, in der Hoeness in Deutschland 25 Millionen Steuern gezahlt habe, habe er in der Schweiz mehr als 27 Millionen hinterzogen. Zudem habe er auf das schliesslich geplatzte Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz gepokert. Darin war vorgesehen, dass Steuersünder unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben konnten.

Hoeness' Verteidiger Hanns Feigen bezeichnete die Strafforderung als «völlig verfehlt» und verlangte für seinen Mandanten die Einstellung des Verfahrens, höchstens eine Bewährungsstrafe. Die Selbstanzeige habe lediglich kleinere Fehler enthalten, sei aber an sich wirksam. Er kündigte an, der Wurstfabrikant werde die ausstehende Steuerschuld von gut 27 Millionen Euro begleichen – «unter Aufbietung aller Kräfte». Auf die Höhe der hinterzogenen Summe komme es für das Urteil, das später am Donnerstag folgen soll, nicht an.

Kammer hat sich zur Urteilsberatung zurückgezogen

Zudem habe sein Mandant bereits durch die Empörung in der Öffentlichkeit gelitten. «Das Urteil scheint schon ausserhalb dieses Gerichtssaals getroffen worden zu sein», sagte der Jurist. «Idioten standen am Zaun. Idioten haben Drohbriefe geschrieben bis hin zu Morddrohungen.» Ausserdem seien die Gewinne, auf die seinerzeit die Steuern angefallen seien, längst verloren. Die Nachzahlung müsse Hoeness nun aus anderen Mitteln aufbringen.

Die Kammer zog sich in der Folge mehrere Stunden zur Urteilsberatung zurück. Ein Freispruch kommt aus juristischen Gründen nicht in Betracht. Bestenfalls kann Hoeness auf eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen hoffen. 

(reuters/me)

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