Das Klimaabkommen von Paris, das die Schweiz am Freitag unterzeichnet, ist ein historischer Schritt für den Klimaschutz, darüber sind sich Experten einig. Es ist aber nur ein erster Schritt, und viele weitere, sehr ehrgeizige müssen folgen, sagt Thomas Stocker von der Universität Bern.

Weltweit müssen die CO2-Emissionen massiv sinken - bis 2050 auf Null, wenn die Nationen das Ziel erreichen wollen, auf das sie sich beim Pariser Klimagipfel im vergangenen Dezember geeinigt haben: Die Klimaerwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Durchschnittstemperatur zu begrenzen. Bestenfalls sogar auf maximal 1,5 Grad.

Mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens am Freitag müssen Taten einhergehen, und zwar schnell. «Nach gegenwärtigen Schätzungen wird das Zwei-Grad-Ziel in 35 Jahren verloren sein, wenn wir nicht rasch handeln», sagte Thomas Stocker, der von 1998 bis 2015 Mitglied des Uno-Klimarats war, der Nachrichtenagentur sda.

Keine klaren Vorgaben

Das Abkommen sei ein historisch wichtiger Schritt, aber eben nur der erste von vielen weiteren, die nötig seien, so Stocker. Die Nationen verpflichten sich mit der Ratifizierung des Dokuments, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken. Wie sie das bewerkstelligen, dürfen und müssen die 195 Mitgliedsstaaten des Weltklimarats selbst ausarbeiten.

Für diese Umsetzung gibt es zwar keine klaren Vorgaben, aber dass «von oben» auferlegte Klimaschutzmassnahmen nicht funktionieren, habe das Kyoto-Protokoll gezeigt, sagte der Klimaexperte. An dem Vorläufer des Pariser Abkommens hatten sich beispielsweise die USA nicht beteiligt und Kanada war 2011 ausgestiegen.

Weil man diesmal den Ländern selbst überliesse, wie sie die Emissionen senken, seien alle am Verhandlungstisch geblieben, erklärte Stocker. Ganz ohne Kontrollmechanismus geht es aber dann doch nicht: Die Nationen müssen alle fünf Jahre Erklärungen über ihre Bemühungen abgeben, die Klimaziele zu erreichen. Und diese Bemühungen müssen jedes Mal ehrgeiziger werden.

Chancen der «vierten industriellen Revolution»

Die Schweiz hat sich bereits jetzt ambitionierte Ziele gesteckt: Laut CO2-Gesetz muss bis 2020 der Treibhausgas-Ausstoss in der Schweiz gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken, bis 2030 um 50 Prozent. Aber selbst dieses Vorhaben müsse die Schweiz noch übertreffen, so Stocker. Die Emissionen müssen auf Null sinken.

«Wir können bereits Häuser bauen, die emissionsfrei sind. Im Verkehr müssen wir auf elektrische Mobilität umsteigen, für die die Energie aus erneuerbaren Quellen stammt», fasst der Klimaexperte die nötigen Schritte zusammen.

In der «vierten industriellen Revolution» - der Dekarbonisierung unserer Wirtschaft und Mobilität - sieht Stocker auch grosse Chancen für die Schweiz als Innovationsmaschine. «Wer vorne mit dabei ist, hat viele Vorteile, kann hohe Gewinne erzielen und viele Arbeitsplätze schaffen.»

(sda/gku/chb)