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Frankreich
Das schmutzige Geschäft mit «Je suis Charlie»

Screenshot von ebay.fr: «Je suis Charlie» steht mittlerweile auf den unterschiedlichsten Dingen Keystone

Seit dem Attentat ist das Satiremagazin «Charlie Hebdo» so gefragt wie nie. Viele machen sich das zunutze – und verkaufen Shirts, Tassen und selbst Hundehalsbänder mit dem Satz «Je suis Charlie».

Veröffentlicht am 16.01.2015

Zuerst waren es nur drei Worte in einer Kurznachricht. Inzwischen kennen Millionen Menschen in der ganzen Welt den Satz «Je suis Charlie». Für manch einen wird daraus sogar ein gutes Geschäft.

Der Satz, der seit einer Woche in aller Munde ist, tauchte knapp drei Stunden nach dem Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» zum ersten Mal auf. Der französische Journalist Joachim Roncin schreibt über den Kurznachrichtendienst Twitter «Je suis Charlie» («Ich bin Charlie»). Jene drei Worte, die wenig später zum Slogan einer gigantischen Solidaritätsbewegung werden.

PDF-Versionen zum Download im Internet

Seit dem Attentat ist das Blatt so gefragt und bekannt wie nie - eine bittere Ironie, die dem finanziell schwer angeschlagenen Magazin eine Woche nach dem Angriff eine Millionenauflage bescherte. In Frankreich verlangten manche Händler am Donnerstag fünfstellige Beträge oder mehr für die jüngste Ausgabe, die in einer Auflage von fünf Millionen Exemplaren gedruckt werden soll.

Ganz dreiste Anbieter haben das Magazin digitalisiert und bieten PDF-Versionen zum Download im Internet für ein paar Euro an. Die Nachfrage ist so gross, dass sich selbst damit Hunderte Euro verdienen lassen. Dass dies mit dem Urheberrecht kaum zu vereinbaren ist, scheint sie nicht zu stören. «Das ist absolut unanständig», schimpfen Journalistenvertreter wie Christophe Deloire von Reporter ohne Grenzen.

Baby-Kleidung ab 14,50 Euro

Im Internet finden sich darüber hinaus mehrere Tausend Angebote für Fanartikel aller Art. Was in Paris als Welle der Solidarität begann, wurde innerhalb kürzester Zeit auch zu einem Geschäft. Im Angebot: Bedruckte T-Shirts, die beim grossen Solidaritätsmarsch am Sonntag dankbare Abnehmer fanden, Tassen, Stoffbeutel und Pins mit der Aufschrift «Je suis Charlie».

Und sogar Babys und Vierbeiner dürfen sich ungefragt zu «Charlie» bekennen. Einen Body gibt es bereits ab 14,50 Euro, das Hundehalsband für 8,90 Euro.

Keine Freude über Möchtegern-Freunde

Eine Vermarktung, die dem ein oder anderen überzogen vorkommen mag. «Wir kotzen auf all diese Leute, die auf einmal unsere Freunde sein wollen», formuliert es «Charlie Hebdo»-Zeichner Barnard Holtrop und zielt damit auch auf diejenigen ab, die dem Blatt vorher eher kritisch gegenüberstanden.

Wie man es allerdings auch machen kann, zeigt die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen: Auch sie verkauft T-Shirts mit «Charlie»-Aufdruck. Die Erlöse gehen hier allerdings an die Redaktion des Satiremagazins.

«Wo sind denn alle Franzosen?»

Kurze Zeit nach dem Attentat am 7. Januar waren es nur eine Handvoll Pariser Journalismusstudenten gewesen, die sich am Tatort zu der Parole «Je suis Charli»" bekannten. Sofort sei klar gewesen, dass man Gesicht zeigen müsse, erzählte Clivia Potot-Delmas an jenem Mittwoch, an dem bei dem Attentat zwölf Menschen erschossen wurden.

Eine junge Französin war ebenfalls gekommen und ärgerte sich, dass nicht mehr Menschen Flagge zeigten. «Wo sind denn alle Franzosen?», fragte sie.

«Für immer in unserem Geiste»

Auch sie hätte zu diesem Zeitpunkt wohl nicht gedacht, dass nur wenige Tage später Millionen Menschen auf die Strassen gingen, die Führungsriege Europas Arm in Arm schritt und alle Welt plötzlich irgendwie zu «Charlie» geworden war.

Ein junger Franzose singt auf Youtube die Worte, die die aktuelle Stimmung vielleicht erklären: «Wenn du fragst, wo Charlie ist: Für immer in unserem Geiste.» Sein Video wurde bis Donnerstag knapp drei Millionen Mal angeschaut.

(awp/tno/moh)
 

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