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Strategie
Das SVP-Dreierticket als geschicktes Manöver

Aeschi, Gobbi und Parmelin: Wer folgt auf Eveline Widmer-Schlumpf? Keystone

Drei SVP-Politiker stehen offiziell zur Wahl für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf. Der Politologe Oscar Mazzoleni wittert aber ein Manöver, um Aeschi zu krönen.

Veröffentlicht am 20.11.2015

Als Bundesratskandidat könnte Norman Gobbi laut dem Tessiner Politologen Oscar Mazzoleni in eine Zwickmühle geraten: Er muss sich die Unterstützung der SVP-Basis sichern und zugleich die bürgerlichen Parteien und Linke von seinem Pragmatismus überzeugen – sei es im Verhältnis zur EU oder bei den Bilateralen.

Es sei «möglich», dass das SVP-Dreierticket für die Bundesratswahl ein Manöver sei, so dass letztendlich ein Deutschschweizer Kandidat gewählt werde, sagte Oscar Mazzoleni, Professor an der Universität Lausanne, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die lateinische Schweiz sei bereits mit zwei Bundesräten vertreten, was sowohl dem Kandidaten aus der Romandie als auch dem aus dem Tessin zum Nachteil werden könnte.

Erfahrung in Tessiner Regierung

Die Widersacher des Lega-Staatsrats Gobbi haben laut Mazzoleni immer wieder betont, dass er nicht als hundertprozentiger SVP-Kandidat angesehen werden könnte. Der 38-Jährige hatte erst Anfang November seine Kandidatur für die SVP bekanntgegeben. Den Mitgliederbeitrag bei der SVP habe mittlerweile der Lega-Koordinator Attilio Bignasca übernommen, sagte das Lega-Urgestein Gobbi am Freitag in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Als Leistungsausweis sieht Mazzoleni die Arbeit Gobbis in der Tessiner Regierung – dort sei er kompromissbereit aufgetreten. Gobbi könnte ausserdem entgegenkommen, dass die Zusammensetzung des Tessiner Staatsrats dem künftigen Bundesrat ähnele. Zwei Lega-Politiker regieren zusammen mit jeweils einem FDP-, CVP- und SP-Mitglied.

Ohne Pragmatismus chancenlos

Um gewählt zu werden, werde Gobbi die Vereinigte Bundesversammlung von seiner «pragmatischen Grundhaltung» überzeugen müssen, sagte Mazzoleni. Dies betreffe in erster Linie das Verhältnis zur EU im Allgemeinen und das Dossier der bilateralen Verträge und die Umsetzung der Zuwanderungsinitiative im Speziellen. Dies sei kein leichtes Unterfangen für den Kandidaten aus der Leventina.

Die Lega habe mit ihrer EU-Skepsis in der Vergangenheit die SVP noch übertroffen und die bilateralen Verträge mit der EU immer wieder heftig kritisiert, so der Politologe.

Verhältnis zu Italien

Ob die Wahl des italienischsprachigen Gobbis auch das Verhältnis zu Italien verbessern könne, liess Mazzoleni offen. Einerseits sei es Gobbi als Regierungsrat zwar gelungen, viele grenzüberschreitende Kontakte in die unmittelbaren italienischen Nachbarregionen zu knüpfen. Andererseits habe er gegenüber Rom bei Steuerthemen oder der Einforderung von Strafregisterauszügen für Aufenthaltsbewilligungen immer wieder einen harten Kurs gefahren.

(sda/ise)

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