Russland hat Kampflugzeuge an der Westgrenze in Kampfbereitschaft versetzt und angekündigt, seine Landsleute in der Ukraine zu schützen. Bewaffnete besetzen Gebäude des Parlaments und der Regionalregierung auf der Krim.

Russland hat angesichts der Entwicklungen in der Ukraine angekündigt, die Rechte seiner Landsleute kompromisslos zu verteidigen. Es gebe in grossem Stil Menschenrechtsverletzungen, Angriffe und Vandalismus in der Ukraine, was die Regierung in Moskau sehr besorgt mache, erklärte das Aussenministerium am Donnerstag weiter.

Säbelrasseln zwischen Russland und der Übergangsregierung

Im Osten der Ukraine und aus der Halbinsel Krim leben viele Russen. Im Hafen der ukrainischen Stadt Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert.

Nach der Besetzung der Regionalregierung und des Parlaments auf der Krim hat der amtierende ukrainische Präsident Alexander Turtschinow zur Ruhe aufgerufen. Zunächst war unklar, wer die Gebäude besetzt hält, über denen die russische Flagge gehisst wurde. Turtschinow sprach von «Kriminellen in Militärkleidung». Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alle Massnahmen zu ergreifen, die für den Schutz der Bürger notwendig seien, sagte der Übergangspräsident. Die Ukraine werde jede russische Truppenbewegung ausserhalb des Stützpunktes der Schwarzmeerflotte als Akt der Aggression ansehen warnte Turtschinow.

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Die russische Sicht

Russland geht in der Ukraine-Krise zunehmend auf Konfrontationskurs: Präsident Wladimir Putin versetzte am Mittwoch die Truppen im Grenzgebiet in Alarmbereitschaft. Umgehend betonte die NATO das Recht der neuen Machthaber in Kiew, frei über die Zukunft zu entscheiden.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sprach von einer «neofaschistischen» Stimmung in Teilen der Ukraine und warnte vor einer Diskriminierung der russischen Minderheit. Tatsächlich waren an der Maidan-Revolution auch rechtsextreme und gewaltbereite Gruppierungen beteiligt, die nun ihren Anteil an der neuen Regierung fordern.

Nato: Russland soll sich nicht einmischen

Angesichts der russischen Truppenaktivitäten betonte die Nato in einer Erklärung der 28 Mitgliedstaaten das Recht der neuen Machthaber in Kiew, frei über die eigene Zukunft zu entscheiden.

«Wir gehen davon aus, dass alle Staaten die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine respektieren. Und wir haben dies allen, die es betrifft, deutlich gemacht», sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.

Währung in Rekordtief

Als Reaktion auf die Ereignisse auf der Krim fiel der Wechselkurs der ukrainischen Währung auf ein Rekordtief von 10,50 Hrywnia für einen Dollar. Polens Aussenminister Radoslaw Sikorski warnte, durch die Besetzung von Regierungsgebäuden werde ein regionaler Konflikt riskiert.

Erst am Mittwoch hatten die USA der vor dem Finanzkollaps stehenden Ukraine am Mittwoch eine Kreditbürgschaft von einer Milliarde US-Dollar zugesagt.

«Wir schnüren erst mal eine Garantie von einer Milliarde Dollar, zusammen mit einigen weiteren Elementen», sagte US-Aussenminister John Kerry am Mittwoch vor Reportern in Washington. Auch die EU bereitet nach seinen Worten Kreditbürgschaften in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar für die frühere Sowjetrepublik vor.

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(mit Material von reuters und sda)