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Terrorismus
Das unheimliche Ausmass des Jihad-Tourismus

IS-Kämpfer feiern in Raqqa: Die Kämpfer kommen aus der ganzen Welt.  Keystone

Seit drei Jahren wütet in Syrien ein Bürgerkrieg. In dieser Zeit haben sich viele ausländische Kämpfer den zahlreichen Rebellengruppen angeschlossen. Erstmals gibt es vergleichbare Zahlen.

Von Gabriel Knupfer und Lukas Rohner
am 02.09.2014

Die Enthauptung des amerikanischen Reporters James Foley durch einen IS-Kämpfer mit typischem London-Akzent hat die westlichen Regierungen aufgeschreckt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das die Politik von Moskau bis Washinghton noch lange beschäftigen wird.

Denn die grosse Frage lautet: Was passiert, wenn der Krieg irgendwann einmal zu Ende ist und die fanatisierten Kämpfer in ihre Herkunftsländer zurückkehren?

Syrien ist das neue Afghanistan

Über 11'000 Personen sind bisher aus dem Ausland nach Syrien in den Kampf gezogen. CNN und das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center versuchten sich erstmals einen Überblick über die Herkunftsländer der Terrorreisenden zu verschaffen.

Die Studie, die auf Schätzungen der jeweiligen Regierungen beruht, zeigt, dass vor allem Länder mit einem hohen Anteil von Muslimen bald ein einheimisches Terrorismusproblem haben könnten. Auf den ersten drei Rängen finden sich mit Tunesien (3000 Kämpfer in Syrien), Saudiarabien (2500) und Marokko (1500) drei überwiegend islamische Staaten.

Franzosen, Briten und Deutsche

Doch auch Europa hat offensichtlich ein Problem mit jungen Fanatikern. Mehr als 700 französische Muslime sollen bereits nach Syrien in den Kampf gezogen sein. Dazu kommen 500 Briten und 300 Deutsche. Kein Wunder, dass die europäischen Staaten nach Lösungen suchen, um die Rückkehr von Verdächtigen zu verhindern.

Betroffen vom Jihad-Tourismus sind auch kleinere Länder in Europa. So haben sich etwa 250 Personen aus Belgien und weitere 120 Männer aus Holland islamischen Gruppen in Syrien angeschlossen. Obwohl natürlich längst nicht alle dieser Leute bei der besonders brutalen IS-Miliz sein müssen, wird ihre Rückkehr auch in diesen Ländern zu einem Anstieg der Terrorgefahr führen.

Etwa zehn Schweizer in Syrien

Mehr als 800 Kämpfer kommen zudem aus Russland. Dabei handelt es sich aber nicht wie im restlichen Europa um unerfahrene und erst kürzlich radikalisierte Jugendliche, sondern um kampferprobte Extremisten aus dem Nordkaukasus. Vor allem die Tschetschenen sind innerhalb der IS bei vielen Militäraktionen federführend und werden von den Gegnern gefürchtet.

Nicht besonders stark ist die Jihadbewegung laut Studie in der Schweiz. Nach Schätzung der Experten sind bisher etwa zehn Personen von hier aus nach Syrien gegangen. Terrorhysterie ist damit hierzulande nicht angebracht. Eine Strategie zum Umgang mit den Rückkehrern dagegen, muss auch in der Schweiz gefunden werden.

 

 

 

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