Wegen Datendiebstahls bei der Hyposwiss muss sich heute ein externer Bankmitarbeiter vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona TI verantworten. Er soll versucht haben, aus Geldwäschereivorwürfen eines russischen Oligarchen Profit zu ziehen. Das Gericht entscheidet über eine teilbedingte Haftstrafe von drei Jahren.

Das Strafmass ist bereits im Vorfeld zwischen der Bundesanwaltschaft (BA) und dem geständigen Angeklagten ausgehandelt worden. Der Deal muss vom Bundesstrafgericht in einem verkürzten Verfahren abgesegnet werden. Die Durchführung eines Beweisverfahrens ist nicht vorgesehen.

Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 70-jährigen Schweizer, der zum Tatzeitpunkt bei der Hyposwiss Privatbank als externer Mitarbeiter der Abteilung Business & IT Services tätig war. Er soll dem Schweizer Anwalt des Oligarchen Oleg Deripaska Informationen über Finanzflüsse von dessen Kontrahenten Vladimir Potanin versprochen haben.

Anzeige wegen Geldwäscherei

Hintergrund war ein Machtkampf der beiden russischen Grossunternehmer um den weltgrössten Nickelproduzenten Norilisk Nickel, an dem beide Anteile besassen. Deripaska hatte in der Schweiz Anzeige wegen angeblicher Geldwäscherei erstattet. Auch die Hyposwiss sollte involviert sein. Die Vorwürfe wurden später abgewiesen.

Der Ex-Mitarbeiter der Hyposwiss erfuhr über den Konflikt aus den Medien. Daraufhin begann er, gezielt Datenbanken seines Arbeitgebers nach Informationen über Vladimir Potanin zu durchsuchen. Anonym meldete er sich im Januar 2012 beim Anwalt Deripaskas in Zürich und verlangte zwei Millionen Franken für die Datensätze.

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Zum Schein ging dieser auf das Angebot ein. In Wirklichkeit aber leitete er die Angelegenheit an die BA weiter. Diese liess den mutmasslichen Datendieb in die Falle laufen. Der Schweizer kam im Februar 2012 vorübergehend in Haft. Ihm wird wirtschaftlicher Nachrichtendienst, Verletzung des Geschäftsgeheimnisses und Verletzung des Bankgeheimnisses vorgeworfen.

(sda/vst/aho)