Der Datendiebstahl geschah im Frühjahr 2012: Ein IT-Mitarbeiter des Nachrichtendienst des Bundes (NDB) entwendete grosse Mengen vertraulicher Informationen bei seinem Arbeitgeber. Durch einen Tipp der UBS flog der Mann schliesslich auf, das Ganze wurde im September bekannt und zum Skandal: Der Geheimdienst geriet in die Kritik, von Chaos und Führungslosigkeit in der IT-Abteilung war die Rede.

Nun erregt der Fall auch international Aufsehen: Die Schweizer Behörden haben laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters und der britischen Zeitung «Daily Mail» die Geheimdienste unter anderem Grossbritanniens (MI6) und der USA (CIA) gewarnt, dass auch Terrorabwehrdaten dieser Länder von dem Datendiebstahl betroffen und gefährdet sein könnten. Die Medien berufen sich auf anonyme Quellen aus europäischen Sicherheitskreisen.

Weiter heisst es, sowohl CIA als auch MI6 würden routinemässig Daten etwa zur Terrorabwehr mit den Schweizer Behörden austauschen. Zum aktuellen Fall wollten sich die ausländischen Geheimdienste gegenüber Reuters vorerst nicht äussern. Auch ein Sprecher des NDB war auf Anfrage von «Handelszeitung Online» nicht zu einer Stellungsnahme bereit.

Der IT-Mitarbeiter wurde im Mai verhaftet und blieb sechs Wochen in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt noch immer. 

Die Schweizer Behörden gehen laut der Nachrichtenagentur davon aus, dass der Mann nicht in der Lage war, vor seiner Festnahme Daten zu verkaufen. Eine anonyme Reuters-Quelle glaubt jedoch, dass man dabei nicht sicher sein könnte - daher hätte die Schweiz nun auch die ausländischen Geheimdienste gewarnt. 

Daten zu Bundesrat, Terroristen und Waffenhändlern?

Carlo Bulletti, Leitender Staatsanwaltschaft des Bundes, der den Fall betreut, hatte im September gesagt, es hätte Hinweise darauf gegeben, dass «die Absicht bestand, die Daten ans Ausland zu verkaufen». Details zum Inhalt der Daten wurden offiziell nicht bekannt gegeben.

Anzeige

Allerdings berichtete die «Sonntagszeitung», der IT-Mitarbeiter habe den gesamten Mailserver des NDB innerhalb eines speziell gesicherten internen Netzes kopiert. Damit sei er auch an Mails des militärischen Nachrichtendienstes und der Führungs- und Unterstützungsbasis der Armee geraten.

Ausserdem seien ihm unzählige Anhänge in die Hände gefallen, so die Zeitung weiter: vertrauliche Berichte an den Bundesrat, geheime Berichte ausländischer Polizei- und Nachrichtendienste über Terroristen, Waffenhändler und laufende nachrichtendienstliche Operationen. 

(tno/tke)