Trotz Hacker-Attacken auf die Abstimmungsplattform findet ein inoffizielles Referendum über mehr Demokratie in Hongkong grossen Zulauf. In den ersten fünf Stunden beteiligten sich am Freitag schon mehr als 200'000 Menschen an dem online-Votum der «Occupy Central»-Bewegung.

Das berichtete die Zeitung «South China Morning Post». Wegen massiver Cyber-Angriffe, deren Ursprung «definitiv in China» vermutet werden, werde die Online-Abstimmung von drei auf zehn Tage ausgedehnt, sagte Organisator Edward Chin der Nachrichtenagentur dpa.

Teilautonomie und begrenzte Demokratie

Die 1997 an China zurückgegebene britische Kronkolonie Hongkong geniesst als chinesische Sonderverwaltungsregion Autonomie. Die Bewohner Hongkongs haben aber nur begrenzt demokratische Rechte. Nur die Hälfte der Abgeordneten wird heute direkt gewählt, während der Rest von Standesorganisationen bestimmt wird, die Peking wohl gesonnen sind.

Der Regierungschef der sieben Millionen Einwohner zählenden Hafenmetropole wurde bisher von einem Wahlkomitee ausgesucht, das den Vorgaben der kommunistischen Führung in Peking folgt. 2017 sollen die Hongkonger zwar weitgehend frei abstimmen können, doch will Peking weiter die Nominierung des Kandidaten kontrollieren.

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Aktivisten fordern allgemeines Wahlrecht

Die «Occupy Central»-Gruppe hat Strassenproteste im Juli im wichtigen Finanzdistrikt angedroht, falls die Regierung keine demokratischen Reformen zulässt. Bei dem jetzigen Referendum der Aktivisten können Hongkonger zwischen drei Vorschlägen wählen, die alle eine direkte Nominierung des Kandidaten vorsehen. Damit soll der Druck erhöht werden, das allgemeine Wahlrecht einzuführen.

Benny Tai, der die Bewegung 2013 ins Leben gerufen hat, sagte der dpa, er verstehe, dass Chinas Regierung sicherstellen wolle, dass alle Kandidaten loyal zu Peking stünden. «Aber vielleicht sieht sich Peking gezwungen, seine Position zu ändern, wenn viele Leute ihren Widerstand äussern.»

Peking verbittet sich Einmischung

Peking zeigt sich bisher kompromisslos: Mit Blick auf das Referendum und die angedrohten Proteste bekräftigte die Führung vor gut einer Woche mit einem Weissbuch seine Kontrolle über Hongkong. Darin hiess es, Hongkong geniesse als Sonderverwaltungszone zwar besondere Freiheiten, habe aber keine volle Autonomie. Das Papier warnte vor Einmischung «ausländischer Kräfte» in innere Angelegenheiten Chinas.

(sda/gku/me)