Der Austritt Grossbritanniens aus der EU sorgt nicht auch bei den Präsidenten der englischen Fussballvereine für rote Köpfe. Noch kurz vor den Wahlen hatte die Tory-Abgeordnete und Vizepräsidentin des Fussballvereins West Ham United in einem Rundschreiben an die Klubpräsidenten vor den «zerstörerischen Folgen» eines Austritts gewarnt. Nun steht die wohl beste Fussballliga der Welt erstmal ratlos da.

Denn die Briten verlangen eine Reihe von Voraussetzungen für Spieler, die nicht der EU angehören, aber auf der Insel zum Einsatz kommen. Etliche Fussballer aus der EU, die momentan völlig frei in Grossbritannien spielen können, verlieren womöglich mit einem Schlag ihre Arbeitsbewilligung. In den höchsten beiden Ligen sind das gemäss BBC über 330 Profifussballer. Denn für sie gelten neue restriktive Regeln wie für andere Spieler aus Nicht-EU-Ländern. Betroffen wären auch viele Schweizer Spieler – sie gehören fussballerisch zum EU-Kreis.

Hürden erst kürzlich noch verschärft

Die Briten verlangen seit etwa einem Jahr für eine Arbeitsbewilligung als Fussballer, dass der Antragssteller in den letzten zwei Jahren mindestens in 75 Prozent der internationalen Partien seines Herkunftslandes zum Einsatz kam. Das Herkunftsland eines Nicht-EU-Fussballspielers muss sich zudem in den Top 70 des Fifa-Rankings befinden. Kommt ein Profi aus einer Top-10-Fussballernation der Welt, muss er mindestens 30 Prozent der Nati-Einsätze bestritten haben. Dieser Anteil steigt für Spieler aus dem Landesranking 11 bis 20 auf 45 Prozent.

Ein kompliziertes Regelwerk. In der Premier League beträfe dies laut BBC 122 Profis. Das heisst, dass der aktuelle Europameisterschafts-Star Dimitri Payet von Frankreich bei seinem Club West Ham United nicht mehr ohne weiteres spielen könnte. Auch etliche Schweizer wie den Ex-FCZler Almen Abdi (Watford), Eldin Jakupovic (GC) oder Gaetano Berardi (Leeds) bekämen Probleme mit den Arbeitsämtern.

Jugendausbildung auf Prüfstand

Laut dem britischen «Guardian» steht auch die Jugendausbildung auf dem Prüfstand: Heute können englische Vereine dank der Personenfreizügigkeit bedenkenlos EU-Talente auf die Insel locken, ausbilden und diese als Eigengewächse einsetzen. Der englische Verband fordert, dass in jedem Kader acht eigene Jungspieler stehen, die drei Jahre vor ihrem 21. Geburtstag bei dem Verein ausgebildet wurde. Der spanische Starspieler Cesc Fàbregas, der mit 16 Jahren nach England ging, könnte nun diesen Status verlieren – und die Briten nun vor der bangen Frage stehen, woher sie künftig junge Talente bekommen.

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