Frankreich hat die Nase vorn. Der französische Leitindex CAC40 zählt mit einem Plus von 22 Prozent in den letzten zwölf Monaten zu den Top-Performern unter den wichtigen Börsen- plätzen der Welt – SMI, EuroStoxx 50 und DAX kommen auf jeweils rund 17 Prozent Zuwachs, der Dow Jones nur auf 9 Prozent Wertsteige- rung. Zudem ist die Zahl der Kursgewinner unter den französischen Indexmitgliedern hoch. Nur 3 der 40 CAC-Titel liegen auf Jahressicht im Minus. Im SMI ist der Anteil der Verlierer doppelt so hoch, im DAX und im Dow Jones sogar drei- und viermal so hoch.

Frankreich überraschete

Auslöser für die Kurssteigerungen sind zunehmend positive Daten aus dem Nachbarland. Nach dem Abrutschen in die Rezession im vierten Quartal 2012 und in den ersten drei Monaten 2013 mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 0,3 bzw. 0,4 Prozent überraschte Frankreich zwischen April und Juni mit einem Plus von 0,5 Prozent. Dabei half die anziehende Binnen- nachfrage, und dank ihr fiel das Wachstum doppelt so hoch aus, wie Ökonomen prognostiziert hatten. Und die Konjunktur bleibt solide: Nach- dem das Pariser Statistikamt für das Gesamtjahr 2013 noch vor kurzem eine leichte Rezession von 0,1 Prozent erwartet hatte, hob die Behörde Anfang Oktober ihre Erwartung nun auf einen Zuwachs von 0,2 Prozent an. 2014 soll es nach Schätzung der Experten mit einem Plus von 0,9 Prozent sogar noch etwas mehr Dynamik geben.

Arbeitsmarkt

Auch vom Arbeitsmarkt kamen Ende September erste Lichtblicke. Nachdem die Zahl der Erwerbslosen in Frankreich bis im Juli 27 Monate in Folge auf 3,3 Millionen gestiegen war, gab es im August den ersten Rückgang seit Jahren. Mit einer Quote von 10,9 Prozent liegt die Arbeitslosigkeit allerdings noch weit über den Werten aus besseren Zeiten von etwa 7,5 Prozent. Deshalb herrscht bei vielen Politikern und Wirtschaftsvertretern Unsicherheit und Zurückhaltung über die künftige Entwicklung.

Reformen kommen unter Präsident François Hollande nur schwer voran, die Sparziele bleiben noch unerreicht. So wird das Haushaltsdefizit nach 4,1 Prozent in diesem Jahr auch 2014 mit erwarteten 3,6 Prozent vom Bruttoinlandprodukt über dem Maastricht-Kriterium von 3 Prozent liegen. So viel hatten die Länder im Euroverbund ursprünglich beim Start der Währungsunion als jährliche maximale Verschuldungsgrenze der einzelnen Mitgliedsstaaten vereinbart. Infolge hoher Arbeitslosigkeit gerät auch der Wohlfahrtsstaat immer mehr auf Schlingerkurs. So geht den Departements das Geld aus, um z.B. die Grundsicherung für sozial Bedürftige auszuzahlen. Zur Finanzierung der hohen Kosten der Arbeitslosigkeit hat Paris bereits Steuererhöhungen auf Immobilienkäufe bewilligt, und im nächsten Jahr steht die Erhöhung der Mehrwertsteuer bevor.

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Börse mit Nachholpotenzial

Möglicherweise sind politische Zweifler jedoch auf der falschen Fährte und zu pessimistisch, und die Börse behält Recht. Immerhin scheinen sich französische Unternehmen auch operativ zu erholen. So übertrafen im zweiten Quartal 70 Prozent der CAC40-Mitglieder die Schätzun- gen der Analysten. Möglicherweise wird nun auch das dritte Quartal wie schon der vorherge- hende Dreimonatszeitraum positive Überra- schungen und weiter steigende Kurse bringen.

Nachholpotenzial hat die Pariser Börse nach wie vor. Während der SMI in den letzten fünf Jahren um 33 Prozent zulegte und der Dow Jones und der DAX sogar um 60 und 75 Prozent nach oben gesprungen sind, verzeichnet der CAC40 lediglich ein Plus von 20 Prozent und no- tiert damit immer noch um 40 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000. Neue Im- pulse könnte Danone schon nächsten Mittwoch bringen. Dann präsentiert der Nahrungsmittel- konzern als einer der ersten CAC40-Werte seine Quartalsergebnisse.