Die Dschihadisten im Irak wollen nach ihrer Blitzoffensive im Norden des Landes nun auch auf die Hauptstadt Bagdad vorrücken. Dies teilte das auf Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Mittwoch mit.

Demnach kündigte ein Sprecher der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) an, dass es bald auch Kämpfe im Südwesten des Landes geben werde.

Sprecher kündet weitere Kämpfe an

«Noch tobt die Schlacht nicht, aber sie wird in Bagdad und Kerbela toben», sagte der Isil-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani den Angaben zufolge in einer Audiobotschaft, die über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde.

Unterdessen bestätigte ein westlicher Regierungsbeamte, dass der Irak eventuellen Luftschlägen der USA gegen die vorrückenden Islamisten positiv gegenüberstehen würde. Die USA prüfen demnach gegenwärtig, wie sie Bagdad zur Hilfe kommen könnten - Drohnenangriffe seien eine Möglichkeit. Bisher hat der Irak jedoch noch nicht offiziell um Unterstützung gebeten, hiess es aus US-Verteidigungskreisen.

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Mossul und Tikrit erobert

Die Islamisten hatten mit einer Blitzoffensive am Dienstag die nordirakische Millionenstadt Mossul und die umliegende Provinz Ninive unter ihre Kontrolle gebracht. Die Streitkräfte sollen sich zumeist kampflos zurückgezogen haben.

Am Mittwoch nahmen die Kämpfer der sunnitischen Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) dann auch die Stadt Tikrit ein. Später wurden zudem Kämpfe in der Stadt Samarra gemeldet, die nur 110 Kilometer nördlich von Bagdad liegt. Eine halbe Million Menschen flohen bereits vor den Kämpfen.

Vereinte Nationen verurteilen Vormarsch

Die Vereinten Nationen haben den Vormarsch der Dschihadisten im Irak scharf verurteilt. Die USA sicherten der irakischen Regierung indessen ihre Unterstützung zu.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Mittwoch in New York, die Dschihadisten müssten daran gehindert werden, «den Weg zur Demokratie im Irak zunichte zu machen.» Die Weltgemeinschaft müsse sich zusammenschliessen und Solidarität mit dem Irak zeigen, sagte Bans Sprecher Stéphane Dujarric. Zugleich mahnte er aber an, dass beim Kampf gegen «Terrorismus und Gewalt» internationales Recht und die Menschenrechte beachtet werden müssten.

Sicherheitsrat mit Dringlichkeitssitzung

Der UN-Sicherheitsrat hat wegen der eskalierenden Lage im Irak für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Sitzung soll nach Diplomatenangeben hinter geschlossenen Türen stattfinden. Der UN-Gesandte Nickolay Mladenow soll das Gremium per Videoschaltung über die Entwicklung informieren.

Die USA sicherten der irakischen Regierung indessen ihre Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadisten zu. Washington arbeite mit den Partnern im Irak an einem «geeinten Vorgehen» gegen die Islamisten, sagte Aussenamtssprecherin Jen Psaki. «Wir sind bereit, jede angemessene Unterstützung zur Verfügung zu stellen.» Einzelheiten nannte die Sprecherin aber nicht.

Auch der Sprecher von US-Präsident Barack Obama sicherte den Verantwortlichen im Irak zu, dass die US-Regierung auf ihrer Seite stehe. Um den Kampf gegen die Dschihadisten zu gewinnen, müssten sie sich um «nationale Einheit» bemühen, erklärte Jay Carney.

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Drohnenangriffe denkbar

Wie ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagte, prüft Washington verschiedene Optionen, um den Irak im Kampf gegen die Dschihadisten zu unterstützen - darunter auch Drohnenangriffe.

US-Präsident Joe Biden forderte die Dschihadisten auf, die 49 Geiseln, die aus dem türkischen Konsulat in Mossul entführt wurden, freizulassen. In einem Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan verlangte er «die sichere und sofortige Rückkehr» der Konsulatsmitarbeiter und ihrer Angehörigen. Auch UN-Generalsekretär Ban verurteilte die Geiselnahme und forderte die «sofortige Freilassung» der Entführten.

(sda/gku)