Die internationale Gemeinschaft ist nach Aussage von Weltbank-Präsident Jim Yong Kim in ihrem Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus «kläglich gescheitert». Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, warnte Kim am Mittwochabend in einem Interview der Zeitung «The Guardian».

Er wünsche sich die Unterstützung der westlichen Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar schweren Gesundheitsfonds für Notfälle. «Ebola war eine Bewährungsprobe und wir haben versagt. Wir sind mit unserer Reaktion kläglich gescheitert», zitierte das Blatt den Weltbank-Präsidenten in seiner Onlineausgabe.

Zahl der Infizierten steigt auf über 8000

Derweil ist der erste in den USA mit Ebola diagnostizierte Patient gestorben. Der Liberianer starb nach Angaben der behandelnden Klinik in Dallas am Mittwoch um 07.51 Uhr (Ortszeit). Er war am 20. September aus seinem Heimatland nach Texas gereist. Fünf Tage später begab er sich dort in ein Krankenhaus, wurde aber zunächst mit Antibiotika wieder nach Hause geschickt.

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Erst am 28. September wiesen die Ärzte das Virus bei ihm nach. Der Fall schürt Sorgen, die vor allem in Westafrika wütende Krankheit könnte sich weltweit ausbreiten, zumal sich inzwischen auch in Europa erstmals ein Mensch mit Ebola infiziert hat. Die betroffene Krankenschwester wird in einer Klinik in Madrid behandelt. Sie hatte einen mittlerweile verstorbenen Priester betreut, der aus Sierra Leone in die spanische Hauptstadt gebracht worden war.

Zahl der Infizierten steigt auf über 8000

Die Zahl der Ebola-Toten stieg nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO bis Sonntag mittlerweile auf 3879. Die Zahl der gemeldeten Infizierten in den drei Ländern stieg laut der jüngsten WHO-Statistik auf 8011. Wegen der Seuche verschärfen die USA an Flughäfen in New York, Newark, Chicago, Washington und Atlanta ihre Kontrollen für Reisende, die aus den westafrikanischen Ebola-Gebieten in die Vereinigten Staaten kommen. Unter anderem wird ihre Körpertemperatur mit einem nicht-invasiven Gerät gemessen. Außerdem sollen sie einen Fragebogen ausfüllen.

Der in Dallas gestorbene Ebola-Patient musste bei seiner Ausreise aus Liberias Hauptstadt Monrovia bereits einen Fragebogen ausfüllen. Er gab an, keinen Kontakt zu Ebola-Erkrankten gehabt zu haben. Ausserdem hatte er kein Fieber, wie eine Überprüfung am Flughafen ergab, weshalb er in die USA fliegen durfte.

Mann hat gelogen

Später stellte sich nach Angaben der liberianischen Behörden jedoch heraus, dass der Mann log und Kontakt zu einer an Ebola erkrankten Schwangeren hatte, die später starb. Es kann bis zu drei Wochen dauern, bevor die Krankheit bei einem Infizierten ausbricht. Der Patient in Dallas fühlte sich erstmals kurz nach seiner Ankunft in Texas krank.

Nach Einschätzung der Behörden waren womöglich bis zu 48 Menschen über den Verstorbenen der Krankheit ausgesetzt. Die zehn am meisten von einer Ansteckung Gefährdeten haben sich freiwillig in Quarantäne begeben. Die anderen 38 werden regelmässig untersucht. Eine Klinik in einem Vorort von Dallas teilte mit, man untersuche einen Mann mit Krankheitssymptomen, der nach eigenen Angaben Kontakt zu dem Verstorbenen gehabt habe. Der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden, äußerte sich zuversichtlich, dass sich die Krankheit in den USA nicht in grösserem Ausmaß ausbreiten wird.

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KERRY: INTERNATIONALE GEMEINSCHAFT MUSS MEHR TUN

US-Aussenminister John Kerry forderte die internationale Gemeinschaft auf, mehr zur Eindämmung der Krankheit zu unternehmen, etwa indem sie die betroffenen Länder mit Geld oder medizinischer Ausrüstung unterstützen. Grossbritannien kündigte für kommende Woche die Entsendung von 750 Militärangehörigen nach Sierra Leone an, die dort Behandlungs- und Ausbildungszentren aufbauen sollen.

Beim Deutschen Roten Kreuz meldeten sich unterdessen nach Regierungsangaben rund 2000 Freiwillige und ebenso viele bei der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium wies zugleich Bedenken zurück, im Fall einer Infektion könnten diejenigen, die an deutschen Hilfseinsätzen in den westafrikanischen Ländern beteiligt seien, nicht zur Behandlung in die Heimat geflogen werden. Das Klinikum St. Georg in Leipzig teilte mit, für Donnerstag sei die Aufnahme eines Ebola-Patienten aus Westafrika vorgesehen.

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«Wir sind vorsichtig optimistisch»

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf sagte im Reuters-Interview, die Hilfszusagen aus dem Ausland seien umfangreich. Sie müssten allerdings schneller umgesetzt werden. Zugleich wies sie Warnungen der WHO zurück, wonach bis November 20.000 Menschen an Ebola erkrankt sein dürften. Ihrer Einschätzung nach scheine sich der Ausbruch in Liberia eher abzuschwächen. «Wir sind vorsichtig optimistisch», sagte sie. Die WHO erklärte dagegen, es gebe keine Anzeichen, dass der Ausbruch in Westafrika unter Kontrolle gebracht worden sei.

Wie gefährlich die Arbeit für die Helfer ist, zeigte sich einmal mehr am Mittwoch: Die Vereinten Nationen teilten mit, dass sich in Liberia ein weiteres Mitglied des UN-Teams im Einsatz gegen Ebola mit der Seuche angesteckt habe. Am 25. September starb ein UN-Mitarbeiter an Ebola.

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(sda/reuters/moh/ise)