Während drei Wochen war das Fünfsterne-Hotel Beau-Rivage Palace in Lausanne Schauplatz der Verhandlungen im Atomstreit mit dem Iran. Die Stadt profitiert vom Medienrummel und zeigt sich offen für weitere diplomatische Anlässe, ohne allerdings Genf Konkurrenz machen zu wollen.

Bilder von US-Aussenminister John Kerry auf einer Velotour entlang des Genfersees, Aufnahmen seines iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif beim Spaziergang am Seeufer: Lausanne reibt sich die Hände ob des grossen Interesses an den Gesprächen.

Glücklicher Zufall

Für Lausanne, das nur sehr selten diplomatische Anlässe von dieser Bedeutung beherbergt, sind die wochenlangen Verhandlungen ein glücklicher Zufall. Die Verhandlungsdelegationen mussten vor allem auf Lausanne ausweichen, weil in Genf wegen des Automobilsalons sämtliche Hotels ausgebucht waren.

Bezüglich Werbung sei das unbestreitbar ein Vorteil, sagte der Lausanner Stadtpräsident Daniel Brélaz am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Lausanne habe diese Nische nicht um jeden Preis gesucht, stehe aber zur Verfügung.

Kampagne wäre unbezahlbar

Seiner Ansicht nach ergänzen sich Lausanne und Genf mit ihren Angeboten. Während Genf die Vereinten Nationen beherberge, befinde sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne.

«Der Name Lausanne ist omnipräsent. Wir hätten nie die Mittel, um eine vergleichbare Kampagne zu bezahlen», sagte Steeve Pasche, Direktor des Lausanner Tourismusbüros. Ob die Stadt langfristig davon profitieren werde, könne man noch nicht sagen.

Hotels waren voll

Kurzfristig freut sich Lausanne aber über die angereisten Journalisten. Vor allem am vergangenen Wochenende war es aber schwierig, in gewissen Hotels noch ein Zimmer zu finden.

«Wir profitieren von einer ausserordentlichen Aufmerksamkeit in der Schweiz und auf internationalem Niveau», sagte Alessandra de Raemy, Medienverantwortliche des Fünf-Sterne-Hotels Beau-Rivage Palace. Drei Viertel der Zimmer seien von den Delegationen gebucht.

Angemeldete Gäste umgebucht

Das Luxushotel musste gar Buchungen verschieben oder angemeldete Gäste ins Hotel Palace im Stadtzentrum umbuchen. Die grösste Herausforderung sei jedoch die Flexibilität, sagte Alessandra de Raemy. So war am Donnerstagmorgen unklar, ob die Delegationen noch eine Nacht bleiben werden. «Alles ist aber organisiert, damit sie bleiben können».

Für die Lausanner Bevölkerung gab es trotz der hochrangigen Gäste keine grossen Einschränkungen. Einzig das Beau-Rivage Palace wurde streng bewacht. Ausser der Hotelzufahrt blieben fast alle Strassen offen.

Bibliothek für Studenten geschlossen

An der ETH Lausanne (EPFL) war zudem das wegen seiner modernen Architektur bekannte Rolex Learning Center einige Tage geschlossen, weil es für die Unterzeichnung eines allfälligen Abkommens vorgesehen war. Die Studierenden hatten deshalb keinen Zugang zur Bibliothek.

(sda/gku)

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