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China
Der Ostwind besiegt den Westwind

Trump und Xi Jinping 2017
Donald Trump und Xi Jinping: 2017 herrschte noch kein Handelsstreit.Quelle: Keystone Images

Während der US-Markt leicht unter dem Allzeithoch tendiert, werden chinesische Aktien abgestraft.

Von Matthias Jenzer*
am 10.08.2018

Chinas wirtschaftlicher und technologischer Aufstieg ist unbestritten. Mitunter auch der wachsende politische Einfluss, der aus dem Blickwinkel der USA wohl nicht mehr tolerierbar ist. Massnahmen in Form von CImportzöllen und Tarife sind wirtschaftlich äusserst umstritten und werden wohl kaum eine Kehrtwende hinsichtlich Chinas langfristigen Pläne bewirken. Vielmehr scheint hier auch kurzfristiges politisches Kalkül am Werk, denn in den USA steht die Wahl zum Repräsentantenhaus vor der Tür. Zölle gegen den «bösen Buben» können ein einfaches Mittel sein, die Gunst der Wählerschaft weiterhin sicherzustellen.

China behält die Nerven

Das reaktionäre Verhalten Chinas zeugt von Besonnenheit aber auch von einem eher limitierten Arsenal von adäquaten Mitteln um dagegenzuhalten. Der Aussenhandel hat enorme Bedeutung. Deeskalation soweit wie möglich ist deshalb von grösstem Interesse. China also der Verlierer in dieser Ringschlacht?

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Vielfach werden Parallelen zu 2015 gezogen, als China-Ängste Hochkonjunktur hatten und die Währung sich abrupt abschwächte. Der Vergleich hinkt jedoch, denn bisher hat China im Gegensatz zu 2015 keine Kapitalabflüsse zu verzeichnen – das spricht mitunter für das Wirtschaftsvertrauen im Land. Etliche Konjunkturindikatoren wie etwa der Häusermarkt bleiben stabil. Im Vergleich zu vor 3 Jahren tendieren die Unternehmensgewinne in China nach oben, und dies ohne nennenswerte kosmetische Aktienrückkäufe.

China behält den Fokus auf den erklärten langfristigen Zielen. Kurzfristige Massnahmen dienen dem Erhalt der wirtschaftlichen Stabilität. Tatsächlich hat China über die letzten Wochen die monetären und fiskalpolitischen Zügel etwas gelockert, um mögliche negativen Einflüsse der Zölle auf die Wirtschaft abzufedern. Gemässigte Schritte jedoch, ohne das erklärte Ziel einer längerfristigen Finanzstabilität zu untergraben – ein klares positives Zeichen!

Aktien günstig bewertet

Trotzdem hat der chinesische Aktienmarkt seit Jahresbeginn nahezu 20 Prozent verloren. Diverse Bewertungskennzahlen wie KGV oder Buchwerte sind nicht mehr weit von den Tiefstständen von 2014 entfernt. Viele Unternehmen, welche wenig bis gar nichts mit Aussenhandel am Hut haben, wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Eine günstige Gelegenheit für längerfristige Aktieninvestoren nach China zu schauen. Ein Handelskrieg kann kein Ziel sein. Jegliche Eskalation seitens der USA kann sich politisch gesehen für Trump auch kontraproduktiv auswirken, denn Corporate Amerika hat bereits Bedenken geäussert und möchte mit Sicherheit nicht den Zugang zum lukrativen Chinesischen Wirtschaftsraum vereitelt sehen. Chinas gemässigte Strategie wird sich auszahlen, und Anleger können sich über eine warme Brise aus Osten erfreuen.

* Matthias Jenzer, CIO, Quilvest (Switzerland) Ltd