Finden Sie die Berichterstattung in den westlichen Medien zu einseitig? Dann informieren Sie sich auf RT (ehemals Russia Today), die Themen auf dem russischen Nachrichtenportal sprechen für sich selbst: «Anti-Maidan Aktivisten stürmen Regierungsgebäude in Donetsk», «Oligarchenherrschaft: Kiew ernennt Milliardäre um den Osten zu Regieren» oder «Ukrainische Spezialeinheiten weigern sich auf der Krim zu kämpfen».

Der Tenor von RT ist klar: Die russischen Truppen sind auf Wunsch der Bevölkerung in die Ukraine einmarschiert, um die Menschenrechte zu schützen. Die Politik der EU und der USA habe den Maidan-Putsch ermöglicht und so ein faschistisches Regime an die Macht gebracht, welches die russischsprachige Minderheit unterdrücken will. Untermauert wird die russische Deutungsweise mit Beiträgen über die Zerstörung von Kriegsdenkmälern und Leninstatuen durch die Maidan-Aktivisten.

Gegengewicht zu den grossen Newssendern

RT, der staatlich finanzierte Fernsehsender mit Sitz in Moskau, ist auf ein internationales Publikum ausgerichtet. Der Sender ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden und gehört inzwischen zu den grössten Nachrichtenkanälen weltweit. Gesendet wird neben Englisch auch Arabisch, Spanisch und Russisch.

Der Sender will einem westlichen Publikum die russische Sichtweise des Weltgeschehens nahebringen. Er sieht sich als Gegenmodell zu «westlichen Medien». Mit einem ähnlichen Sendekonzept wie CNN, BBC oder Euronews versucht RT, Marktanteile zu gewinnen. RT folgt damit dem Beispiel von Al Jazeera. Der Newssender aus Katar hatte sich vor allem mit seiner umfassenden Berichterstattung zum arabischen Frühling internationale Relevanz erkämpft. Mitunter heuert RT weltbekannte Stars an, etwa den ehemaligen CNN-Talkshow-Master Larry King.

Hohn und Spott für Kerry

Ähnliche Projekte wie Russland mit RT haben auch der Iran mit Press TV und China mit CCTV-9 am Start. Das Ziel ist bei allen dasselbe: Die Deutungshoheit zum internationalen Geschehen soll nicht den westlichen Sendern überlassen werden.

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US-Aussenminister John Kerrys Rede zur Situation in der Ukraine erntete auf RT nur Hohn und Spott. «Seriously, what?! Kerry tells Russia 'you don't invade a country on completely phony pretexts'» («Jetzt mal im Ernst?! Kerry sagt Russland man soll nicht unter falschen Vorwänden in andere Länder einmarschieren»), titelte RT am Morgen. Kerry habe wohl Russland mit den USA und ihrem Einmarsch im Irak und in Afghanistan verwechselt, heisst es im Artikel. Angesichts der amerikanischen Aussenpolitik sei Kerrys Reaktion an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten.

USA haben Angst vor RT

Die amerikanische Regierung ist sich der Herausforderung durch Sender wie RT durchaus bewusst. Die ehemalige Aussenministerin Hillary Clinton erklärte bereits 2011, dass die USA den «globalen Informationskrieg», wegen Sendern wie Russia Today zu verlieren drohe. Auf Youtube ist RT mit 1,1 Milliarden Aufrufen sogar der populärste Nachrichtenkanal überhaupt.