Er sieht aus wie Monsieur tout le monde, die schicke Version: Feine Gesichtszüge, leicht gebräunter Teint, etwas Gel im Haar. Hervé Falciani, der Mann, der dem Bankgeheimnis den tödlichen Schlag versetzte. Staatsfeind Nummer eins der Schweiz. Er trägt eine gut sitzende Jeans, taubenblaue Wildleder-Mokassins und ein blau-weiss kariertes Hemd, das sich vor dem Hintergrund der aufreibenden Geschichte, die ihn mit der Schweiz verbindet, wie eine Anspielung auf das Rot-Weiss von Vorhängen in Schweizer Alphütten liest.

Wie sehen Sie die Schweiz?
Hervé Falciani: Die Schweiz ist ein ausserordentliches Land, ein Vorbild in vielem und für viele. Es ist ein komplexes und vielfältiges Land.

Aber?
Die Menschen sind das eine. Etwas anderes sind die gerichtlichen und politischen Institutionen. Die Schweiz hat demokratische Verhältnisse, aber es gelingt ihr nicht, sich von ihren Lobbys frei zu machen.

Waren Sie schon immer links?
Eigentlich schon, ich war nie ein Zyniker und ich hatte immer eine Tendenz nach links. Das ist gar nicht so ungewöhnlich für jemanden, der aus der Bank kommt. Wir Linken sind zahlreicher in den Banken, als man denkt.

Die Schweiz klagt Sie wegen wirtschaftlichen Nachrichtendiensts und Bankgeheimnisverletzung an. Werden Sie am Prozess in Bellinzona teilnehmen?
Das weiss ich noch nicht. Wenn ich einen fairen und ausgewogenen Prozess bekomme? Vielleicht. Wenn man das überhaupt einen Prozess nennen kann.

Wie meinen Sie das?
In Bellinzona geht es darum, den Schein zu wahren, die Fassade aufrechtzuerhalten. Man will zeigen, dass die Bank unschuldig ist und dass Hervé Falciani im Unrecht ist. Dieser Prozess hat keine moralische Legitimation.

Sie stellen die Schweizer Rechtsstaatlichkeit in Frage?

Ich stelle mich meiner Verantwortung, aber in der Schweiz ist Gerechtigkeit verhandelbar. Ich werde vor Gericht gestellt, aber das Verfahren gegen die HSBC wurde eingestellt. Wie kommt das? Bin ich wirklich eine grössere Gefahr für die Schweiz als die HSBC?

Sie wissen, dass die Gesetze, gegen die Sie verstossen haben, vom Schweizer Volk so beschlossen wurden?

Das stimmt. Aber ich zweifle, dass es bei diesen Gesetzen um den gesunden Menschenverstand geht. Das Schweizer Gesetz, wonach ich kriminell bin, gehört nicht zu den Gesetzen, die den Interessen der Allgemeinheit dienen.

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