Der nächste Präsident der USA heisst Donald Trump. In einem hart umkämpften Rennen setzte sich der Republikaner gegen die favorisierte Demokratin Hillary Clinton durch, die ihre Niederlage eingestand. «Jetzt ist die Zeit gekommen, die Wunden der Spaltung zu heilen und als vereintes Volk zusammenzukommen», sagte Trump am Mittwoch in seiner Siegesrede.

Er werde ein Präsident für alle Bürger sein. Aussenpolitisch kündigte er an, mit allen Staaten zusammenzuarbeiten, die dazu bereit seien. Er wolle «fair» mit der Weltgemeinschaft umgehen. «Amerika wird sich mit nichts weniger als dem Besten zufrieden geben.»

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Doppelter Erfolg

Der 70-jährige politische Quereinsteiger strafte einmal mehr die Umfragen Lügen, die Clinton im Vorteil sahen. Selbst in Bundesstaaten, die die frühere First Lady eigentlich fest für sich eingeplant hatte, schnitt der Immobilienmogul überraschend stark ab.

Trump kann zudem auf die Unterstützung eines republikanisch dominierten Kongresses hoffen, wenn er im Januar als Nachfolger von Präsident Barack Obama ins Weisse Haus einzieht. Denn es gelang den Demokraten voraussichtlich auch nicht, den Senat zurückzuerobern. Die Finanzmärkte, die auf einen Sieg Clintons gesetzt hatten, reagierten schockiert. Weltweit verbuchten die Börsen massive Abschläge.

Die Nation einen

Die Kampagne sei vorbei, aber seine Arbeit beginne jetzt erst, sagte Trump in seiner Siegesrede. «Jeder Amerikaner wird die Chance haben, sein Potenzial zu erfüllen.» Er wolle die Nation wieder einen und dabei auch mit denen zusammenarbeiten, die ihn nicht unterstützt hätten. Auf Basis seines Wirtschaftsplans werde er zudem das Wachstum verdoppeln.

Es war eine der spannendsten Wahlnächte in der amerikanischen Geschichte. Erst Stunden nach Schliessung der Wahllokale stand fest, dass Trump die für einen Sieg notwendige Schwelle von 270 Wahlleuten überschritten hatte.

Lange Kopf-an-Kopf

In zahlreichen Bundesstaaten lieferten sich die Rivalen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In einigen machten nur wenige Tausend Stimmen den Unterschied aus. Trump triumphierte nicht nur in Bundesstaaten, die traditionell republikanisch wählen. Es gelang ihm auch, eine ganze Reihe der so genannten Swing States zu erobern, in denen von Wahl zu Wahl mal die Republikaner, mal die Demokraten die Nase vorne haben, so etwa Ohio und Florida.

Trump war angetreten mit der Botschaft, das politische Establishment in Washington zu entthronen und der Stimme der kleinen Leute wieder Gehör zu verschaffen. Das bescherte ihm einen massiven Zulauf, vor allem von älteren weissen Männern und der Arbeiterschicht sowie der Bevölkerung ausserhalb der Ballungsräume, die das Gefühl haben, dass der amerikanische Traum für sie unter dem schwarzen Präsidenten Obama endgültig geplatzt ist. Trumps zentrales Versprechen lautete, Amerika wieder «gross zu machen».

Parteiintern umstritten

Noch zu Beginn des Jahres hatte kaum jemand einen Sieg des wegen seiner markigen Sprüche bekannten Milliardärs für möglich gehalten, geschweige denn, seine Ambitionen wirklich ernst genommen. Von vielen wurde er anfangs belächelt wegen seiner politischen Unerfahrenheit und seiner Vergangenheit als Star einer Reality-TV-Sendung. Doch spätestens mit seinem Erfolg bei den parteiinternen Vorwahlen um die Kandidatur der Republikaner wuchs weltweit die Sorge, dass Trump tatsächlich Präsident werden könnte.

Selbst in der eigenen Partei stiess er auf massiven Widerstand wegen seiner Provokationen und umstrittenen Ansichten. Trump polterte gegen Einwanderer, lästerte über Frauen und forderte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko sowie ein Einreiseverbot für Muslime.

Trump will unter anderem internationale Handelsabkommen kippen oder neuverhandeln – allen voran die Freihandelszone mit Kanada und Mexiko. Aber auch von ähnlichen Abkommen mit den Pazifik-Staaten oder der Europäischen Union hält er nichts.

Clinton bedankt sich

Clinton sagte einen als Siegesfeier geplanten Auftritt in New York kurzfristig ab. Bereits gegen 03.00 Uhr MEZ hatte sie getwittert, es gebe «so viel», worauf ihre Mitarbeiter stolz sein könnten. «Was auch immer heute Nacht passiert, vielen Dank für alles.»

Mehrfach hatte es so ausgesehen, als ob sie das Rennen zu ihren Gunsten entscheiden müsste – etwa nachdem ein Video aus dem Jahr 2005 mit sexistischen Äusserungen Trumps auftauchte. Dennoch kämpfte der Geschäftsmann sich zurück, wobei er davon profitierte, dass auch Clinton alles andere als eine beliebte Kandidatin war.

In der Schlussphase des Wahlkampfs kochte erneut die sogenannte E-Mail-Affäre hoch, die Clintons Gegner gerne als Beleg für deren Geheimniskrämerei ins Feld führen. Zwar wurde sie vom FBI entlastet. Das änderte aber nichts daran, dass viele Amerikaner Clinton als Vertreterin des politischen Establishments sehen, der man nicht vertrauen könne. Die 69-Jährige wäre die erste Frau im US-Präsidentenamt gewesen.

(reuters/jfr)