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Kontroverse
Deutsche Bundesbank gegen Abschaffung des Bargelds

Franken und Euro: Noch zahlen viele Konsumenten ihre Einkäufe gerne bar. Keystone

Renommierte Ökonomen plädieren für die Abschaffung des Bargelds. Dänemark will ab 2016 voraussichtlich keine neuen Banknoten mehr drucken. Die deutsche Bundesbank will an Noten und Münzen festhalten.

Veröffentlicht am 14.10.2015

Die Bundesbank hat Forderungen zur Abschaffung von Bargeld erneut eine deutliche Absage erteilt. Eine Zurückdrängung oder Einstellung des Bargelds sei nicht sinnvoll und widerspreche auch den Wünschen der Bevölkerung, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Dienstag auf einer Veranstaltung in Stuttgart laut Redetext. «Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Die Deutsche Bundesbank lehnt die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds ebenso ab wie Restriktionen für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit Bargeld», sagte Thiele.

Zuletzt hatten einige Volkswirte dafür argumentiert, Scheine und Münzen abzuschaffen - etwa der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und Kenneth Rogoff. Laut dem US-Ökonom gebe es eine Reihe guter Gründe, Bargeld abzuschaffen, sagte er im Sommer in Zürich. «In jedem Land – nicht nur in der Schweiz oder in den USA – ist eine irrsinnige Menge an Bargeld im Umlauf.» Niemand wisse genau, wo sich dieses Geld befinde.

Geldpolitik wäre wirksamer

Eine der Ideen von Rogoff und seinen Kollegen: In einer Welt ohne Bargeld könnten Notenbanken leichter von den Geschäftsbanken und diese wiederum von ihren Kunden Zinsen für Guthaben verlangen. Geld zu horten würde sich nicht mehr lohnen, was stärkere Anreize für Investitionen und mehr Konsum schaffen würde. Geldpolitik wäre dann wirksamer. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte sich bereits kritisch zu diesen Argumenten geäussert.

In seiner Rede verwies Thiele auf eine Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland 2014, nach der gemessen am Umsatz hierzulande nach wie vor 53 Prozent der Waren und Dienstleistungen beim Einkauf bar bezahlt werden. Mittelfristig rechnet allerdings auch die Bundesbank laut Thiele damit, dass an der Ladenkasse der Anteil des Barbezahlens unter die 50-Prozent-Marke sinken wird.

Dänemark will wohl keine Banknoten mehr drucken

In anderen Ländern wie Grossbritannien oder in Skandinavien sind neue Bezahlformen über das Internet oder mittels des Smartphone bereits viel stärker verbreitet. Thiele führte als Beispiel Dänemark an. Dort wolle die dänische Notenbank wegen fehlender Nachfrage ab 2016 voraussichtlich keine neuen Banknoten mehr drucken. Es werde dort auch erwogen, einige kleine Läden vom Annahmezwang von Bargeld zu befreien. Eine solche Einschränkung des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel sei in Deutschland aus seiner Sicht aber nicht denkbar, sagte Thiele.

(reuters/moh)


 

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