Deutsche Ökonomen um den Ifo-Chef Hans-Werner Sinn planen laut einem Bericht von «Spiegel Online» einen Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die deutschen Bürger gegen die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels.

Besonders warnen die Ökonomen demnach vor der geplanten europäischen Bankenunion. Diese bedeute eine «kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Euro-Systems», zitiert das Nachrichtenportal aus einem ihm vorliegenden Entwurf. Da diese fast dreimal so gross seien wie die Staatsschulden, sei es «schlechterdings unmöglich, die Steuerzahler, Rentner und Sparer der bislang noch soliden Länder Europas für die Absicherung dieser Schulden in die Haftung zu nehmen».

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Die Gipfel-Beschlüssel sehen unter anderem vor, das der Euro-Rettungsfonds ESM Banken aus hochverschuldeten Ländern direkt Hilfen gewährt und damit deren Staatshaushalte entlastet. Zur Überwachung soll eine einheitliche Bankenaufsicht in der Euro-Zone geschaffen werden.

«Noch unsere Kinder und Enkel werden darunter leiden»

Sinn und Co. fürchten jedoch die «strukturelle Mehrheit» der Schuldenländer: «Wenn die soliden Länder der Vergemeinschaftung der Haftung für die Bankschulden grundsätzlich zustimmen, werden sie immer wieder von neuem Pressionen ausgesetzt sein, diese Summen zu vergrössern», zitiert «Spiegel Online» aus dem dem Entwurf. «Streit und Zwietracht mit den Nachbarn sind vorprogrammiert. Noch unsere Kinder und Enkel werden darunter leiden.»

An die deutschen Bürger gerichtet schreiben die Ökonomen: «Wir bitten Sie, dieses Thema sehr ernst zu nehmen und es mit den Abgeordneten Ihres Wahlkreises zu diskutieren.»

Sinn ist Chef des renommierten Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören laut dem Bericht unter anderem auch der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen sowie Klaus Zimmermann, der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

(tno/chb)