Für die Fahrgäste der Deutschen Bahn wird es wieder ungemütlich. Die Lokführer sind in der Nacht um 2 Uhr auch im Personenverkehr in den Streik getreten, wie ein Bahnsprecher bestätigte.

Sie wollen ihre Arbeit bis Sonntagmorgen ruhen lassen. Die Güterzüge der Bahn werden bereits seit Montagnachmittag bestreikt. Es ist der achte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt und mit fast sechs Tagen Dauer der längste seit Gründung der Deutschen Bahn 1994.

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Darum stehen die Züge still

Hintergrund ist der seit inzwischen zehn Monaten andauernde Tarifkonflikt der Bahn mit den Gewerkschaften. Kern des Streits ist es, dass die GDL auch Zugbegleiter und Rangierführer vertreten will, für die auch die grössere Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandeln will. Die Bahn lehnt verschiedene Verträge für die gleiche Beschäftigtengruppe ab.

Ein Knackpunkt für die Gewerkschaft ist die Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn. Sie kritisiert, die Bahn wolle diese Kollegen, die etwa für das Koppeln und Entkoppeln von Zügen zuständig sind, niedriger einstufen als Mitarbeiter auf der Strecke.

Der Konflikt ist auch deshalb so schwierig, weil die GDL mit der grösseren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Bahn-Konzern ringt. Ausserdem will die GDL einen Erfolg erzielen, bevor das kommende Tarifeinheitsgesetz der schwarz-roten Bundesregierung die Macht kleiner Gewerkschaften beschränkt.

Die Bahn hatte zuletzt angeboten, die Löhne vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent zu heben. Dazu sollte eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni kommen. Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Zwei Drittel des Fernverkehrs fallen aus

Die Bahn hat Ersatzfahrpläne aufgestellt. Demnach soll noch etwa jeder dritte Fernzug im Einsatz sein. Im Regionalverkehr will die Bahn 15 bis 60 Prozent des regulären Angebots aufrechterhalten, wobei mit den grösseren Ausfällen in Ostdeutschland gerechnet wird. Im Westen der Republik gibt es unter den Lokführern noch einige Tausend Beamte, die nicht streiken dürfen. Auch die S-Bahnen sind von der Arbeitsniederlegung betroffen. Im Fernverkehr fallen wie bei vergangenen Streiks etwa zwei Drittel der Züge aus - auch bei Verbindungen in die Schweiz muss mit Verspätungen, Zugausfällen und Umleitungen gerechnet werden.

Die internationalen Züge Zürich HB - München Hbf fallen zwischen Bregenz und München Hauptbahnhof aus. Die SBB hält alle Zugreisenden über Twitter oder hier auf dem Laufenden.

Ruf nach Zwangsschlichtung...

Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte zu «Bild», wenn eine Kleinstgewerkschaft wie die der Lokführer ein ganzes Land erpresse, müsse eine Zwangsschlichtung für Bereiche der öffentlichen Daseinsfürsorge im Streikrecht eingeführt werden. «Dafür kann der Gesetzgeber klare Kriterien zur Verhältnismässigkeit festlegen.» Wie Steiger forderte auch der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, den Tarifkonflikt mit einer Zwangsschlichtung zu beenden. Zudem müsse künftig ein Mediationsverfahren immer Vorbedingung von Streiks sein, ergänzt um eine angemessene Ankündigungspflicht, sagte er.

Ähnlich äusserte sich der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs. Es müsse «ein gesetzliches Schlichtungsverfahren im Bahn- und Luftverkehr» geben, sagte der CDU-Politiker zu «Bild». Scharfe Kritik übte Fuchs am Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, der eine Schlichtung mehrfach abgelehnt hatte. «Ein Gewerkschaftsboss spielt mit Hunderttausenden Bahnreisenden Katz und Maus», sagte Fuchs.

... oder neues Vermittlungsverfahren

Zur Beendigung des Arbeitskampfes der Lokführer hat der Fahrgastverband «Pro Bahn» eine Moderation anstelle einer Schlichtung vorgeschlagen. Damit könne ein Dialog der Tarifparteien erleichtert werden, zumal das Verständnis bei den Fahrgästen für die Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL dramatisch abnehme, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann der «Rheinischen Post». Denn bei einer Moderation gehe es nicht um einen Schlichterspruch sondern zunächst darum, die Fähigkeit herzustellen, miteinander zu sprechen.

Als Moderator schlug er den früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, vor. Die GDL lehnte Forderungen nach einer Schlichtung mehrfach ab.

(sda/reuters/chb)