Die CDU und die SPD ziehen mit ihren Plänen für eine feste Frauenquote in Führungsetagen von Unternehmen heftigen Unmut der Wirtschaft auf sich. Arbeitgeber und Industrie sprechenvon einem erheblichen Eingriff in die unternehmerischen Freiheiten, die Besonderheiten der Betriebe blieben dabei unberücksichtigt. Die Politiker, die das Vorhaben bei den Koalitionsverhandlungen ausgearbeitet haben, werteten den Beschluss hingegen als Durchbruch bei der Frauenförderung.

In den Aufsichtsräten mitbestimmungspflichtiger und börsenkotierter deutscher Unternehmen mit mindestens 2000 Mitarbeitern soll demnach ab 2016 eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent gelten. Wird diese nicht erreicht, solle als Sanktion das Aufsichtsratsmandat nicht besetzt werden dürfen, erläuterte SPD-Vizechefin Manuela Schwesig. Erst acht der 30 grössten kotierten Konzerne erfüllen die Vorgabe schon jetzt. Die Vereinbarungen in den Arbeitsgruppen müssen allerdings noch von der grossen Runde der Koalitionsverhandlungen bestätigt werden.

«Ignoriert unternehmensspezifische Besonderheiten»

Eine starre Quote bei Geschäftsleitungen soll es den Plänen zufolge nicht geben. Stattdessen soll dort ebenso wie auf anderen Führungsebenen eine flexible Quote festgeschrieben werden. Die Firmen müssen sich dabei verbindliche Zielgrössen geben, die später nicht mehr nach unten berichtigt werden dürfen. Eine solche Flexi-Quote soll es ab 2015 auch für Aufsichtsräte, Geschäftsleitungen und obere Management-Ebenen in kleineren börsenkotierten Unternehmen geben. CDU-Verhandlungsführerin Annette Widmann-Mauz zeigte sich überzeugt, dass mit den Beschlüssen ein «Kulturwandel im Inneren der Unternehmen» geschaffen werde. Ihre SPD-Kollegin Schwesig sagte, in den Chefetagen grosser Unternehmen müsse Schluss sein mit der «Männer-Quote von 90 Prozent».

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Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ging mit dem Vorhaben hart ins Gericht. «Eine Einheitsquote ignoriert branchen- und unternehmensspezifische Besonderheiten», warnte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung, Holger Lösch. Auch gebe es erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Die Firmen würden einseitig zur Verwirklichung gesellschaftspolitischer Ziele in die Pflicht genommen.

Mehr Krippen statt Quoten

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warnte: «Neue gesetzliche Regelungen sind nicht erforderlich und belasten nur unnötig die Unternehmen.» Zur Erhöhung der Zahl von Frauen in Führungspositionen müsse an den entscheidenden Hebeln angesetzt werden, etwa einer gezielten Berufsorientierung, dem bedarfsgerechten Ausbau von Kinderbetreuung und Ganztagsschulen und einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Auch aus der CDU/CSU kam Kritik. Der CDU-Wirtschaftsrat forderte die Verhandlungsführer auf, eine starre Quote zu verhindern und auf Selbstverpflichtungen zu setzen. «Eignung und Leistung müssen Massstab für Stellenbesetzungen bleiben», sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger zum «Handelsblatt». Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs hält nach eigenen Worten ebenfalls nichts von Quoten. «Es ist eine Kröte, die wir schlucken müssen», kommentierte er im Deutschlandfunk die geplante 30-Prozent-Vorgabe.

(reuters/se/chb)