Der deutsche Nachrichtendienst BND überwacht einem Medienbericht zufolge seit Jahren den Nato-Bündnispartner Türkei. Im aktuellen «Auftragsprofil» der Bundesregierung aus dem Jahr 2009 werde das Land als offizielles Aufklärungsziel geführt, berichtete das Magazin «Der Spiegel» am Samstag vorab. Die Regierung legt alle vier Jahre die Schwerpunktziele des Auslandsgeheimdienstes fest. Das aktuelle Profil sei wegen der NSA-Spähaffäre bislang noch nicht erneuert worden, hiess es in dem Bericht.

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Demnach hat der BND auch mindestens ein Gespräch des amtierenden US-Aussenministers John Kerry abgehört. Das über Satellit geführte Telefongespräch im Jahr 2013 sei als «Beifang» im Überwachungsnetz des BND gelandet, das dieser über den Nahen Osten gespannt habe – ähnlich wie im Jahr zuvor ein Telefonat von Kerrys Vorgängerin Hillary Clinton, berichtete das Magazin. Über diesen Fall hatten am Freitag auch «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR berichtet.

Unter Freunden: USA und Deutschland spionieren sich aus

Nach Angaben des «Spiegel» führte Clinton seinerzeit ein Gespräch mit dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die Telefonate der Amtsträger seien nicht gezielt überwacht worden, sondern zufällig im Rahmen anderer Operationen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Bundesregierung hatte sich im vergangenen Jahr massiv verärgert über die vom ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden aufgedeckten US-Geheimdienstaktivitäten in Deutschland gezeigt. Demnach sollen die US-Behörden nicht nur die Kommunikation zahlreicher Bundesbürger überwacht, sondern auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben.

(reuters/moh)